Monthly Review #3 in 2019

monatsrückblick märz 2019

Und irgendwie auch das erste Update in 2019, denn zum ersten Mal seit über drei Jahren habe ich mit meinen Monatsrückblicken in den ersten beiden Monaten von 2019 ausgesetzt. Im Januar war ich auf Reisen und hätte sowieso nichts anderes zu erzählen gehabt, als in den letzten Beiträgen hier erzählt hätte (alles toll, mit dem Rest der Welt null beschäftigt, liebe das Land, das Wetter, alles, möchte für immer auf Reisen sein). Und als ich dann Mitte Februar zurück nach Deutschland kam überschlugen sich so viele Dinge, war ich gedanklich einfach irgendwo zwischen Sri Lanka und Dubai hängengeblieben, dass ich den Beitrag bewusst aussetzte. Nachdem nun bereits der dritte Monat in 2019 um ist, ich mich schon wieder viel zu oft frage, wo eigentlich verdammt nochmal die ganze Zeit hin ist, kommt hier der dritte, bzw. erste Monatsreview.

Man sagt, dass die Zeit auf Reisen viel langsamer vergeht, als wenn man in seinem Alltag ist. So gesehen verlängert reisen das Leben. Und vielleicht bin ich deshalb so süchtig danach. Weil ich so gerne noch so viel mehr Zeit hätte. Ich fühle mich überhaupt nicht so alt, wie ich wirklich bin und besonders in den letzten beiden Jahren habe ich mehr und mehr das Gefühl, die Zeit rinnt mir nur so durch die Finger. Und während Januar und Februar sich ewig anfühlten, voller neuer Eindrücke waren, passierte im März fast gar nichts und er war in zwei Atemzügen vorbei. Gefühlt zumindest. Was trotzdem so passiert ist?

Monthly Review #3 in 2019: Gelesen

Diesen Zeitungsbeitrag. Wie kann das sein? Ich bin sprachlos, ich bin entsetzt und ich bin so wütend! Ich meine, wie kann es sein, dass so etwas überhaupt erlaubt ist? Was passiert ist? Der (zumindest in Instagramkreisen) bekannte Influencer Riccardo Simonetti wurde von einem Verlag (!) abgemahnt. Da ich mich zu diesem Thema noch nicht umfassend geäußert habe und viele Leser, gerade hier auf dem Blog, unter Umständen nicht wissen worum es geht, hier einmal, so kurz gefasst wie möglich,  der Hintergrund:

Abmahnungen, Gerichtsverfahren und mehr: Influencer in 2019

Influencer werben auf Instagram. Das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Noch vor einigen Jahren sah das anders aus. Für viele waren die Instagramer und Blogger die Mädels (und Jungs) von nebenan und bezahlte Werbung lies sich nicht immer von werbefreien Inhalten unterscheiden. Aus diesem Grund fingen die Medienanstalten an, abzumahnen. Zu Recht, wie ich finde, denn Transparenz ist wichtig und Werbung muss, egal welches Medium, gekennzeichnet werden. So konnten Leser und Follower nun zwischen bezahlten und nicht bezahlten Inhalten unterscheiden.

Medienanstalten, der Verband für sozialen Wettbewerb und andere

Aber nicht nur die Medienanstalten fingen an abzumahnen, sondern auch der Verband für sozialen Wettbewerb. Dieser Verband existiert, um den fairen Wettbewerb zu sichern. Er finanziert sich durch Abmahnverfahren. Der Verband für sozialen Wettbewerb mahnt aber lange nicht nur das, was wir unter Werbung verstehen, sondern einfach alles ab. Empfehlungen ohne jegliche Bezahlung oder Zuwendung? In den Augen des Verbands für Sozialen Wettbewerbs: Werbung. Genauso Logos auf T-Shirts, im Hintergrund, auf Getränken, Ortsmakierungen oder auch das Makieren oder Taggen von Freunden und letztendlich sogar jeder Beitrag von Influencern, da man ja allem eine Werbeabsicht unterstellen könnte: Werbung! Das hört sich für euch jetzt merkwürdig an? Ist es auch. Und auch die Medienanstalten, die ja bezüglich der Kennzeichnung von echter Werbung gemahnt haben, sehen das so. Denn wenn alles mit Werbung markiert ist, dann ist ja die Transparenz, um die es hier gehen soll, nicht mehr gegeben.

Der Verband für sozialen Wettbewerb mahnt also fröhlich weiter. Der Großteil der abgemahnten Influencer geht nicht dagegen vor, denn Gerichtsverfahren und der Rattenschwanz, der daran hängt, sind teurer als das Akzeptieren einer Abmahnung, die meines Wissens nach im ersten Schritt gar nichts bzw. einen kleinen Betrag kostet. Einige wehren sich jedoch, mit aktuell sehr unterschiedlichem Ausgang. Während die Bloggerin Vreni Frost einen Sieg verbuchen kann und auch in Zukunft nur die Beiträge mit Werbung kennzeichnen muss, die wirklich Werbung enthalten, erhielt die Influencerin Pamela Reif ein gegenteiliges Urteil. Bei ihr ist fortan alles Werbung. Sie ist in Berufung gegangen. Das macht auch deshalb Sinn, weil man, markiert man nun alles mit “Werbung” oder “Anzeige”, Gefahr läuft, von den entsprechenden Marken abgemahnt zu werden. Denn die möchten unter Umständen nicht, dass ihr Name mit bestimmten Inhalten, Personen oder auch einfach nur mit einem schlechten iPhone Foto für sie gewoben wird. Von Transparenz ganz zu schweigen. Und mal ehrlich: “Werbung, weil Freund/ Hund/ Meerschweinchen verlinkt”?! Echt jetzt?

Rechtsgrundlage? Fehlanzeige!

Warum es keine eindeutige Rechtsgrundlage gibt? Ganz einfach: Der deutsche Rechtsstaat ist langsam und vieles was in den Sozialen Medien passiert ist immer noch eine rechtliche Grauzone. Ohne eindeutige Gesetze und Präzedenzfälle liegt die Entscheidung bei dem entsprechenden Richter. Und deren Leben findet im Normalfall weit entfernt von Instagram statt.

Warum auch ein Hamburger Verlag Riccardo Simonetti abmahnen kann

Jetzt mahnt also auch ein kleiner Hamburger Verlag. Ein Hamburger Verlag, dem der soziale Wettbewerb am Herzen liegt? Schwer vorstellbar. In meinen Augen viel mehr ein Verlag, der keine Lust auf Konkurrenz in Form von Influencern hat. Der Verdacht erhärtet sich, wenn man in die Februarausgabe des Magazins schaut, denn da wird gewarnt, dass viele Influencer sich nicht an Gesetze halten würden und Schleichwerbung an der Tagesordnung wäre. Interessant: Ein paar Seiten zuvor berichtet man über eine Redakteurin der Magazins, die eine der 20 Bachelor Lady’s der letzten Staffel war. Ein Blick auf ihr Instagramprofil verrät: Auch sie macht nun Werbung. Mit der Kennzeichnungspflicht bei verlinkten Accounts nimmt sie es aber nicht so genau. Aber was weiß ich schon. Vielleicht stehen Vertreter der klassischen Printmedien hier einfach über sämtlichen (nicht existenten) Gesetzen. Übrigens nicht das einzige, was bei diesem Verlag ziemlich absurd und schwach wirkt. Außerdem gehen bei mir natürlich, gerade wenn es sich um einen Hamburger Verlag geht, die Alarmglocken an. Warum es gerade Riccardo getroffen hat? Vielleicht Zufall. Vielleicht.

Ich habe in drei großen Hamburger Verlagshäusern (und in einem kleineren) gearbeitet und würde behaupten, mich auch im Printbereich relativ gut auszukennen. Und natürlich machen Influencern, gerade den Magazinen mit kleineren Auflagen Konkurrenz. Das hier genannte Magazin erreicht mit seiner Printausgabe unterm Strich weniger Menschen als ich mit diesem Blog (mir war es vor diesem Drama zum Beispiel unbekannt), verlangt aber für 1/1 Seite Anzeige mehr als ich für einen ganzen Blogbeitrag. Und das merken nach und nach auch Unternehmen und Marken.

Mal ganz davon abgesehen: Was glaubt ihr, aus welchem Grund Zeitschriften im redaktionellen Part, Marken und Produkte vorschlagen? Natürlich werden auch hier fleißig PR Sample verteilt. Und genauso natürlich gibt es so ein Placement als I-Tüpfelchen für gute Werbekunden obenauf. Werbekennzeichnung? Fehlanzeige! Influencer werben auf Instagram. Das ist ihr Job. Für viele Nebenbei, für viele mittlerweile Haupteinkommen. Wird das jetzt eine digitale Hexenjagd? Müssen wir uns als Influencer nun zusammen tun, Fehler bei Printmagazinen suchen und diese Abmahnen? Nicht zuletzt um solche Szenarien zu verhindern bleibt zu hoffen, dass es bald eine eindeutige Rechtssprechung gibt.

Erfreulicheres auf der Leseliste:

Eureka Street, Belfast – Robert McLiam Wilson

Die Seele will frei sein – Michael Alan Singer

Blackwood – Britta Sabbag

Monthly Review #3 in 2019: Gesehen

Viel Netflix. Ich mag die neuen Formate, weil ich das Gefühl habe, dass sie mehr und mehr von klassischen Serien, die ich nicht immer mag abweichen. Gesehen habe ich

Sex Education (Staffel 1) – Witzig, übertrieben und irgendwie doch wahr. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

The Sinner (Staffel 2) – Genauso fesselnd wie die erste Staffel, wobei die Story etwas weit hergeholt ist. ⭐️⭐️⭐️⭐️

Dark Tourism – Warum wollen Menschen an Orten Urlaub machen, die durch Katastrophen, Mörder oder anderes Leid berühmt geworden sind? Spannende Dokuserie! ⭐️⭐️⭐️⭐️

Madeleine McCan – Der Fall der vermissten Madeleine McCann bewegt auch noch zwölf Jahre nach ihrem Verschwinden. Und das so sehr, dass nun eine Netflix Doku daraus gemacht wurde. Ich finde das irgendwie merkwürdig. Das Verschwinden und ehrlich gesagt auch den Bekanntheitsgrad, den die Familie dadurch erlangt hat. ⭐️⭐️⭐️

Selling Sunset – Nach einer halben Folge ausgemacht. ⭐️🤷‍♀️ Why?

Im Kino:

Die Berufung – Interessante und wichtige Story über eine tolle Persönlichkeit nach einer wahren Begebenheit. Teilweise leider ein wenig langatmig erzählt. – ⭐️⭐️⭐️⭐️

Monthly Review #3 in 2019: Getrauert

Axel und Lottie, unsere Axolotls sind gestorben. Die kleinen waren zwar nicht sehr präsent, aber dennoch ist es ein bisschen traurig. RIP Axel. RIP Lottie.

Monthly Review #3 in 2019: Gebloggt

Über Bücher, Dubai, die ITB, Drohnenfotografie, Whiskey und Schreibblockaden.

Monthly Review #3 in 2019: Gereist

Immerhin einmal um die Welt. Mehr oder weniger. Auf der ITB, der größten Reisemesse der Welt. Kurz nach Köln und gegen Ende des Monats noch einmal ganz kurz nach Berlin.

Und den April? Lasse ich auf mich zukommen. Ich habe keine Lust mehr, mich zu stressen, weil Stress macht unglücklich und alt. Nach dem April kommt der Mai, in dem ich tatsächlich schon wieder ein Jahr älter werde. Das sollte an altern reichen.

Und was habt ihr euch für den April so vorgenommen? 

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2 comments

  1. Liebe Jana,

    ich bin ja total “oldschool” unterwegs und lese nur einige Blogs und inspiriere mich durch Pinterest. Diese ganze rechtliche Diskussion ist daher an mir vorbei gegangen und ich kenne die angeklagten Damen und Herren auch nicht. Ich dachte allerdings bisher, dass für Blogs die gleichen Rechte und Pflichten gelten, wie für Zeitschriften. Schade und merkwürdig dass dem nicht so zu sein scheint.

    Lass dich nicht unterkriegen und mach weiter so!

    Drück dich!
    Anja

    1. Hi Anja,

      ganz ehrlich: Wenn ich diesen ganzen Stress nüchtern betrachte, würde ich Instagram manchmal am liebsten auch einfach löschen. Und ja, ich finde es auch ziemlich unfair, aber zwischen Print und Online (bzw. Influencern) wird ein Unterschied gemacht bzw. gibt es für alles was im Social Media Bereich passiert einfach nicht ausreichend Gesetze.
      Es freut mich aber sehr, dass du meinem Blog treu bleibst. 🥰

      Liebe Grüße

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