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Lifestyle

Monthly Review #9 in 2018 – Mein Flow ist verschwunden

Normalerweise beginne ich jeden neuen Monat mit einem Rückblick auf den vergangenen. Halte die schönsten Momente fest. Gebe Buch-, Serien- oder Filmtips und erzähle Dinge von denen ich glaube, dass sie andere inspirieren. Und gleichzeitig freue ich mich, die vergangenen 30 Tage noch einmal für mich selbst Revue passieren zu lassen. Dieses Mal nicht. Mein Flow ist verschwunden. So weit weg, dass ich mich noch nicht mal mehr selbst inspirieren kann. Und weil bei mir nicht immer alles gut, wundervoll und pink mit Glitzer ist, weil ich manchmal vielleicht zu negativ, zu sensibel und zu unsicher bin, erzähle ich euch davon. Und auch, weil ich nicht schon wieder einen unperfekten Beitrag löschen möchte.

Gefangen im Hamsterrad 

Kreatives Tief, Instagram Frust, Zukunftsfrust, allgemeiner Frust. Insgesamt befand ich mich in den letzten Monaten in einem ziemlich frustigen Zustand. Und hatte eine Pechsträhne, die sich über den ganzen Sommer zog. Hat man hin und wieder einfach Mal. Ist aber blöd, wenn man drin hängen bleibt. Und dummer Weise ist mein das meist ganz alleine Schuld. Es macht sich Unzufriedenheit über die eigene Arbeit und das eigene Leben breit und ehe man sich versieht, steckt man in einem Hamsterrad und dreht sich schneller und schneller um sich selbst, bis man sich irgendwann überschlägt. So ging es mir im September.

Der Blog, die Online Präsenz…

Fragte man mich in den letzten Wochen und, um ehrlich zu sein, auch Monaten, nannte ich viele Gründe. Zuerst war es die Sommerpause, die ich mir offiziell “mal gönnen wollte”, während der ich, anstatt Pause zu machen Texte schrieb und wieder löschte, auf den Bildschirm starte, mit tausend Dingen gleichzeitig kämpfte und viel zu wenige löste, zu viel schlief und mir eine ungesunde Portion Selbstzweifel erlaubte.

Dann war es die oberflächliche und unfaire Influencer- und Bloggerwelt, die mir dermaßen auf die Nerven ging, dass ich einen Cut machte. Kooperationen, die zum einen dafür sorgen, dass die ganze Arbeit, die hinter dem Blog steht, auch finanziell honoriert wird. Zum anderen aber einen Rattenschwanz an Ärger hinter sich herzogen. Ewige Diskussionen über eine faire Bezahlung, anschließend Probleme mit Zahlungen. Steuerliche Fragen, die sich nicht so leicht wie gedacht klären ließen. Kurz gesagt: Ich hatte die Nase gestrichen voll. Und ja, es stimmt. Auch hinter den tollsten Events und Kooperationen mit den spannendsten Produkten verstecken sich manchmal Arbeitsabläufe, die von außen nicht sichtbar, aber wahnsinnig zeitintensiv sind. Abende, die für mich, menschlich gesehen, eine Herausforderung sind. Menschlich gesehen eine Herausforderung sind aber auch Arbeitskollegen, entfernte Bekannte und Verwandte und die Kassiererin an der Supermarktkasse, die es nicht schafft, das Rückgeld ordentlich zusammenzuzählen.

Aber es ist viel schöner, wenn “die” Schuld sind. Oberflächlichkeit und Fakes, unfairer Wettbewerb aufgrund von Kontakten, Geld oder einfach Glück. Und plötzlich schrieb ich nicht mehr, weil ich Lust dazu hatte, sondern, weil um im ewigen Konkurrenzkampf mitzuhalten. Ich hatte keine Lust mehr andere Blogs zu lesen. Durch meinen Instagram Feed zu scrollen. Und irgendwann auch keine mehr, meine eigenen mit Bildern und Geschichten zu füllen. So ziemlich alles war mir entweder zu oberflächlich, zu positiv oder zu negativ. Zu unpolitisch oder zu politisch. Zu eintönig oder zu bunt. Ich fühle mich ausgelaugt und gezwungen irgendetwas zu bringen. Und finde meinen eigenen Content zu mindestens 50% selber scheiße.

… & das echte Lebens

Wenn es “nur” der Blog wäre, der irgendwie stockt und auf der Strecke bleibt, wäre es halb so schlimm. Aber es ist nicht der Blog. Ich bin es im Ganzen und damit alle meine Träume, Pläne und Ziele. Es ist der Blog und es ist die Selbstständigkeit, die ja eigentlich das Ziel hatte, ortsunabhängig arbeiten zu können, die ich plötzlich nur noch halbherzig verfolge. Nicht weil mein Herz nicht daran hängen würde, sondern weil mir irgendwie auf der Hälfte die Puste ausgeht. Aus einem Teilzeitjob, der im Wechsel aus ein bis zwei Tagen Büro bestehen sollte, werden zwei Tage Büro. Plus ständige Verfügbarkeit. Es wäre nicht schwer hier gegenzusteuern, das iPhone auszuschalten, einfach mal nichts zu machen. Aber selbst hier fehlt mir der Elan einfach zu sagen: Das ist jetzt nicht mein Problem.

Wie so viele Dinge, mit denen ich mich beschäftige eigentlich nicht mein Problem sind. Theoretisch wäre ich so nah dran, von überall aus arbeiten zu können. Kopfmäßig stehe ich plötzlich auf der Stelle, unfähig mich nur einen Millimeter zu bewegen. So viele Pläne, Dinge und Möglichkeiten und ich sehe nur noch das, was ich nicht kann. Nicht funktioniert. Wie ich scheitere.

Ich wache morgens müder auf, als ich abends ins Bett gehe. Ich fühle mich nicht gut genug, nicht kreativ genug und nicht real genug. Und merkte gleichzeitig dass mich Selbstmitleid an dieser Stelle keinen Millimeter weiter bringen wird. Und ziehe trotzdem an einigen Tagen einfach die Decke über den Kopf und bewege mich nicht. Metaphorisch. Und auch so.

Das richtige Umfeld & der eigene Antrieb 

“So einfach mal wegfahren kostet dich ja auch wieder mindestens vierhundert Euro mit Unterkunft und Essen, Aktivitäten und Sightseeing”, bekomme ich auf meinen Gedanken, dass ich einfach nochmal ein paar Tage raus muss, ins Gesicht gefeuert. Es geht mir dabei gar nicht um Urlaub, sondern einfach darum, dieses ortsunabhängige Arbeiten, dass ich ja trotzdem mindestens an den übrigen fünf Tagen der Woche mal ausprobieren könnte, in die Tat umzusetzen.

“Na, nur Reisen geht auch nicht, musst auch zwischendurch nochmal arbeiten, was?” bekomme ich schon morgens als Reaktion auf meinen Instagram Beitrag, in dem ich schreibe, dass da irgendwo in mir die Sehnsucht nagt, mal wieder etwas Neues zu sehen und ein bisschen aus der Routine auszubrechen, an den Kopf geworfen. Das Konzept, von überall arbeiten zu können ist eben noch nicht überall angekommen. Und trotzdem: Wenn ich ehrlich bin, versaut mir das nicht nur den Morgen, sondern den Rest des Tages gleich mit.

Im Grunde sollte es mir egal sein, denn Motivation fängt schließlich bei einem selber an. Und trotzdem ist es doch so: Unser Umfeld hat einen Einfluss auf uns. Umgeben wir uns mit Menschen, deren Ziele und Ideen unseren ähneln, die kreativ und vor allem positiv eingestellt sind, macht das etwas mit uns. Genau wie es etwas mit uns macht, wenn wir uns mit Menschen umgeben, die dauerhaft negativ eingestellt sind. Und so kam alles zusammen, bis ich letzte Woche, grumpy und traurig auf dem Sofa saß, immer mehr zu einem negativen Menschen wurde und die Welt und mich selbst nicht mehr leiden konnte.

Ich weiß nicht, ob ich irgendwann komplett ortsunabhängig arbeiten werde. Ich weiß auch gar nicht, ob ich das wirklich für immer will. Und ich weiß auch nicht, ob ich in der gefilterten Instagramwelt wirklich noch ewig präsent sein möchte. Ich weiß aber sicher, dass es mir deutlich besser ging, als ich diese Ziele aktiv verfolgt habe. Als ich Spaß daran hatte, kreativ zu sein und neue Dinge auszuprobieren. Und als ich aktiv statt passiv gelebt habe. Und manchmal hilft da nur ein Tritt in den Hintern. Und den gebe ich mir heute selber.


Das alles soll nicht heißen, dass der September ein schlechter Monat war. Der September war der Monat, in dem der unfassbar schöne Sommer 2018 einem ebenso schönen Herbst wich. Mit vielen schönen Momenten, einigen tollen Menschen und neuen Ideen. Aber eben auch ein Monat, in dem ich mir viel zu sehr selbst im Weg stand.


Monthly Review #9 in 2018 – Das Jahr bis hier hin

Monthly Review #1 in 2018 

Monthly Review #2 in 2018 

Monthly Review #3 in 2018

Monthly Review #4 in 2018

Monthly Review #5 in 2018 

Monthly Review #6 in 2018

Monthly Review #7 in 2018 

Monthly Review #8 in 2018
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6 Comments

  • Reply Okka

    Liebe Jana,
    vielen Dank für Deinen so ehrlichen Beitrag! Ich finde es sehr mutig und bewundernswert, dass Du mit Deinen eigenen Gefühlen so offen umgehst. Die schlechten und eben auch mal gar nicht rosafarbenen Phasen des Lebens werden leider meistens viel zu selten thematisiert. Ich kann Deine Gefühle/Gedanken jedenfalls sehr gut nachempfinden. Auch mich erwischt dieses Paket aus Selbstzweifeln, Demotivation, Stillstand, … immer mal wieder. Aber ich glaube, dass alles im Leben seinen Sinn hat und auch solche mentalen Tiefpunkte dazu gehören. Und wenn es nur ist, um zu erkennen, dass doch eigentlich alles gut ist. Ich hoffe jedenfalls, dass Du aus dieser Phase heraus bald wieder gestärkt und positiv in die Zukunft schauen kannst. Die Motivation kommt dann sicher ganz von allein wieder zurück! Ich jedenfalls freue mich, wenn Du als Bloggerin noch lange erhalten bleibst 🙂 Ganz liebe Grüße!! Okka

    5. Oktober 2018 at 7:29
    • Reply Jana Kalea

      Liebe Okka,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar. ❤️ Ich bin mir fast sicher, dass mindestens 90% aller Menschen, diese Phasen, mehr oder weniger ausgeprägt, kennen. Ich glaube viele sprechen nur einfach nicht darüber, oder eben erst dann, wenn die Phase überstanden ist und man sie erkannt, reflektierend, positiv bewerten kann. Ich bin gerade erst beim Erkennen angekommen, aber ich denke du hast Recht: Das ist der wichtigste Schritt.

      Und mir fällt es auch nicht leicht das so preiszugeben, da es doch ein wenig angreifbar macht. Trotzdem war mir dieser Text wichtig. Zum einen, weil eben nicht alles immer super ist und zum anderen, weil ich den Blog versuche persönlich zu führen und auch einfach eine ehrliche Erklärung dafür geben wollte, warum es in letzter Zeit so ruhig war. 🙂

      Liebe Grüße

      7. Oktober 2018 at 23:58
  • Reply Anne

    Schöner Text. Ich habe mich darin selbst ein wenig wiedererkannt. Der September war irgendwie nichts. Auf einen besseren Oktober.

    5. Oktober 2018 at 19:20
    • Reply Jana Kalea

      Liebe Anne,

      mentales High Five an dich. Den Oktober rocken wir. 🙂

      7. Oktober 2018 at 23:59
  • Reply Anonym

    Ich kann dich total verstehen, allerdings muss ich sagen: Was Instagram angeht suche ich schon immer nach Inspiration und gehöre auch zu denen, die lieber schöne Bilder sehen und einfach leichte Kost und Unterhaltung suchen. Aber genau das macht eben auch den Unterschied zwischen Instagram und den richtigen ursprünglichen Blogs aus. Ich hoffe du bleibst noch lange dabei, denn ich mag deine Texte und Beiträge sehr. Auch die realitätsnahen.

    6. Oktober 2018 at 19:32
    • Reply Jana Kalea

      Vielen Dank für deinen Kommentar, der mich tatsächlich ziemlich zum Nachdenken gebracht hat. Irgendwie hast du schon Recht. Auf Instagram funktioniert seichter Content am besten. Und auch wenn ich mich immer frage, warum das tausendste gestellte Bild, auf dem mit schickem Kleidchen und perfekt sitzender Frisur vor einem Kürbisfeld geposted wird, nicht irgendwann mal reicht und over the top ist, sind es genau diese Bilder, die tausende Likes bekommen. Und ich nehme mich da gar nicht aus, denn ich schaue die ja auch gerne an. Wollte sogar auch so ein Bild. Habe dann nur kein Kürbisfeld gefunden. 😉

      Und klar sind die schön, klar steckt da viel Arbeit hinter, nur irgendwie…. hoffe ich einfach, dass die Blogs überleben. 🙂 Oder zumindest beides weiterhin eine Daseinsberechtigung hat.

      8. Oktober 2018 at 0:05

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