Run Girl, Run

Hätte mir vor 4 Jahren jemand erzählt, dass Sport in der Zukunft so zu meinem Leben gehören würde, wie damals noch meine Zigarette zum Kaffee, dann hätte ich ihn ausgelacht. Wenn ich eine Sache abgrundtief gehasst habe, dann war es Sport. Bis auf einige Jahre Kunstturnen und Eislaufen war Sport in meiner Kindheit nie ein Thema. Leider.

Sports & Me

Denn während die meisten anderen Kinder in der Grundschule zumindest eine Grundmotorik mit den Sportunterricht brachten, blieb das bei mir aus. Vor allem Ballsportarten waren mir ein Graus und aus genau denen bestanden gefühlte 99% meines Sportunterrichtes ab der 5. Klasse. Aufgrund meines Unvermögens Balle zu fangen, zu werfen, zu schießen und zu schlagen leiteten meine Sportlehrer ab, dass ich unsportlich sei. Ohne diesen Fakt weiter zu hinterfragen nahm ich diese Vermutung selber an. Mit steigendem Alter wurde meine “Unsportlichkeit” für mich jedoch mehr und mehr zum Problem. Auf dem Dorfgymnasium, dass ich zu der Zeit besuchte, war so ziemlich jeder Schüler in einem Sportverein. Kein Interesse und vor allem kein Talent in diesem Feld war eine Totsünde. Sportunterricht wurde für mich zum absoluten Albtraum und gipfelte schließlich darin, dass ich ein halbes Jahr überhaupt nicht mehr hinging. Mit einer 5 in Sport wechselte ich, dank eines Umzuges, die Schule. Mit Schwerpunktkursen wie Turnen, Ski fahren, Tennis und Badminton wurde Sport zwar immer noch nicht mein Lieblingsfach, aber zumindest angstfrei. Trotzdem dauerte es auch nach meiner Schulzeit noch einige Jahre, bis zum ersten mal den “Jana-ist-halt-einfach-unsportlich-Grundsatz” überdachte. Und das kam so:

Ich wollte einmal um die Alster, Hamburgs Joggingstrecke Nr. 1, laufen. Einfach, weil ich sehr viel langeweile hatte und mir selber beweisen wollte, dass ich das konnte. Und nachdem ich das erste Mal die knapp 7,5 km zurückgelegt hatte, fiel mir auf, dass das ja gar nicht so doof ist, mit der Musik, der frischen Luft und dem Laufen. Das meine Gedanken sich unterwegs viel besser sortieren können oder das ich meinen Problemen mit jedem Kilometer für den Moment davonlaufen kann.

Und so fing ich an zu Laufen. Zunächst spielte die gelaufene Strecke und die Zeit für mich keine Rolle. Joggen erlaubte mir wegzulaufen. Schon immer hatte ich einen ausgezeichneten Fluchtreflex und in unangenehmen Situationen machte ich genau das: flüchten. Das tat ich nun, wenn ich laufen ging. Ich legte nach Lust und Laune Gehpausen ein. Irgendwann schaffte ich meine Runde ohne Pause und ich begann mich zu fragen, ob ich denn wirklich so viel langsamer war, als alle Anderen. Ich war ja immer noch “die Unsportliche”. Mit Hilfe der Nike + Running App begann ich meine Strecken zu tracken. Meine kleine Runde betrug knappe 5 km und ich schaffte sie in ungefähr 30 Minuten.

run girl app

Mittlerweile laufe ich meist Strecken zwischen 5 und 10, maximal 15km. Mein Tempo habe ich nie deutlich gesteigert. Ich laufe immer noch nicht für den Wettkampf, sondern für mich. Mein Gewicht hat sich schon immer relativ selbstständig eingependelt, weshalb meine Figur nicht meine Hauptmotivation zum Laufen ist. Nach einem erfolgreichen Lauf fühle ich mich grundsätzlich ausgeglichener, fitter und zufriedener. Darum laufe ich heute. Trotzdem denke ich in letzter Zeit vermehrt darüber nach, für Läufe zu trainieren. Während mir sowohl das Training als auch ein Marathon selbst mit rund 42km momentan zu zeitaufwändig ist, könnte ich mir einen Halbmarathon durchaus vorstellen.

Neben dem Joggen gehe ich seit einigen Monaten übrigens 2 bis 3 Mal die Woche zum Lagree Fitness. Insgesamt versuche ich mindestens jeden zweiten Tag ein kleines Sportprogramm einzulegen. Für mich ist das aber keine Anstrengung, sondern gehört mittlerweile zu meiner normalen Tagesroutine.

Bis vor einem Jahr war mir nicht klar, dass sich Sport nicht auf Leichtathletik und Ballsportarten beschränkt, sondern vielfältig ist. Wassersportarten wie Tauchen und Trendsportarten wie Wakeboarden, Bouldern, Cross Fit und Kickboxen begeistern mich. Mittlerweile möchte ich so viel Sportarten ausprobieren, dass die Zeit einfach gar nicht reicht. Und wenn ich etwas Neues ausprobiere funktioniert das eigentlich ganz gut. Ich bin meistens nicht die Beste. Aber eben auch nicht die Schlechteste. Und ich fühle mich immer ein Stückchen wohler in meinem eigenen Körper.

Run Girl Run

Ich kann jedem empfehlen, sich zu bewegen. Insbesondere denen, die vermeintlich “unsportlich” sind. Beim Sport machen geht es nicht darum, zu beweisen, dass man der oder die Schnellste oder Stärkste ist. Es geht darum, etwas für sich selbst zu tun. Natürlich muss nicht jeder das Laufen lieben. Ich finde aber, dass es eine der einfachsten – wenn nicht die einfachste sportliche Betätigung für Sportanfänger ist. Und das hat vor allem Folgende Gründe:

  1. Kein Equipment – Du braucht zu Anfang nichts außer ein paar Sportschuhe, eine Jogginghose und ein T-Shirt oder Top.
  2. Du alleine bestimmst dein Tempo. – Niemand gibt dir das Tempo vor, du musst dich mit niemandem messen und niemand bestimmt wie schnell, langsam, gleichmäßig oder ungleichmäßig du laufen sollst.
  3. Du hast nicht das Gefühl, dass jemand deine sportliche Leistung beurteilt. – Niemand läuft neben dir her und sagt dir am Ende wie schnell oder langsam du warst oder wie viel Pause du gemacht hast.

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Sports Motivation

Und für alle, die jetzt immer noch nicht überzeugt sind, habe ich meine persönlichen Motivationstipps zusammengestellt.

1000 kleine Schritte

Von jetzt auf gleich einen Marathon laufen, zum Profiyogi werden oder einen neuen Rekord im Gewichtheben aufzustellen funktioniert nicht. Die schlechte Nachricht ist: Um Rekorde zu brechen seid ihr in 90% der Fälle vermutlich einfach zu alt und alleine dafür, einen Marathon nur durchzuhalten sollte man ein halbes Jahr Training einplanen. Training hier heißt hierbei, mindestens vier Mal pro Woche einige Stunden aufzuopfern. Und so ist das bei den meisten Dingen, in denen man zu den Besten gehören, oder zumindest richtig gut sein möchte. Die gute Nachricht ist: Es ist nicht notwendig die oder der Beste zu sein. Schau auf dich selbst und feiere die kleinen Erfolge.

Sport mit Style

Gönn dir ein hübsches Sportoutfit. So lächerlich und einfach das klingen mag, aber was mich am Anfang, neben meinem Willen, am meisten motiviert hat, mit dem Laufen weiterzumachen, waren meine neuen Sportklamotten. Und jedes Mal wenn ich mir eine neue Sporthose oder auch nur einen Sport BH gönne, freue ich mich darauf, das neue Teil dem Actiontest zu unterziehen.

Music

Joggen ist für mich nicht nur Bewegung, sondern auch die Zeit, in der ich neue Musik entdecke, alte Songs wieder entdecke oder meine Powersongs in voller Lautstärke abspiele ohne die Nachbarn oder andere Menschen zu belästigen. Ich stelle mir immer wieder neue Playlisten zum laufen zusammen, oder nutze die Lauflisten von Spotify.

Mach dein Ding

Wie schon erwähnt ist Laufen nicht für alle die perfekte Sportart und für viele nicht die einzige. Nachdem ich Joggen in mein Leben quasi integriert hatte, wollte ich mehr. Ich beschloss, dass ich neben Ausdauertraining, was das Laufen abdeckte auch noch Krafttraining machen wollte. Darum vereinbarte ich im Fitnessstudio um die Ecke einen Probetermin. Nach einer kurzen Begrüßung stellte mich der Trainer im Fitnessstudio erstmal 20 Minuten auf den Stepper. Danach fragte er mich, welche Muskelgruppen ich denn trainieren wollte. Ich hatte nicht die geringste Ahnung und entschied mich für den Bauch. Sit Ups waren mir zumindest bekannt. Er entschied, dass wir dann Bauch und Beine machen würden. Nach zwanzig Minuten war das “Probetraining” durch ich musste mir anhören, dass meine Beine ja “gar nicht gingen” und dass ich da wirklich Probleme bekommen würde, wenn ich nicht schnell etwas machte. Wäre ich übergewichtig hätte ich das durchaus verstanden, nur wog ich zu dem Zeitpunkt ungefähr 48kg bei knapp 160cm. Da diese Art der “Motivation” (sowie der Umgang und das gesamte Ambiente) absolut nicht mein Ding ist entschied ich mich gegen das Studio. Was ich damit sagen will: Schau dich um und nimm dir Zeit um die richtige Sportart (und den richtigen Ort dafür) für dich zu finden.

running girl stretch

Monetäre Anreize

Natürlich ist ein Personal Trainer die beste Lösung. Der kostet dich nicht nur eine Stange Geld, die du vermutlich nicht einfach so zum Fenster rausschmeißen willst, sondern kommt bestenfalls zu verabredeten Trainingseinheiten bei Nichterscheinen deinerseits bei der zu Hause vorbei und tritt dir persönlich in den Popo. In Hamburg kostet ein guter Personaltrainer gut und gerne ab 90€ aufwärts die Stunde. Wer fit werden will, sollte sich den Spaß schon zwei mal wöchentlich gönnen. Das mach dann 720€ monatlich, was für mich kein monetärer Anreiz, sondern der finanzielle Ruin wäre. Mein aktuelles Sportprogramm ist da deutlich günstiger, kostet aber eben auch mehr als die 9,90€ im Monat, die für McFit fällig wären. Nicht hingehen wäre Geldverschwendung.

Du & die Anderen

Oftmals hört man Empfehlungen wie “Such dir einen Laufpartner” oder “Melde dich mit einer Freundin zusammen im Fitnessstudio an”. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Ein Sportpartner kann motivieren und pushen, keine Frage. Wenn deine Lauffreundin aber nach zwei Joggingsessions keine Lust mehr hat, du eine willkommene Ausrede gefunden hast, warum Laufen für den Tag gestrichen werden muss und ihr euch kollektiv dreimal hintereinander auf “dann eben nächste Woche wieder” verständigt, wärst du vermutlich alleine deutlich produktiver. Ob ein Sportpartner sinnvoll ist, ist letztendlich immer eine Typfrage. Was ich aber in jedem Fall empfehlen kann, ist der Austausch über Erfolge (und auch Misserfolge). Ob in der Kabine nach dem BBP Gruppenworkout, in einer Sportgruppe in den Sozialen Medien oder mit Hilfe der Nike + Running App über Facebook: Die eignen Erfolge teilen und hören, was die Anderen gut oder schlecht machen, hilft.

Positive Thoughts

Wer überzeugt mehrmal am Tag das Mantra “Sport ist Mord” aufsagt, sich mit gequältem Blick in die Laufschuhe zwängt und bei den kalten Temperaturen draußen am liebsten losheulen möchte KANN keinen Spaß am Sport entwickeln. Deshalb ist es wichtig, sein Sportprogramm mit positiven Gedanken zu beginnen.

Denk an das gute Gefühl, dass du nach dem Sport haben wirst.
Denk nicht an den Regen, der dich die nächsten 5 km begleiten wird, sondern an das gute Gefühl, etwas sinnvolles getan zu haben. Und an die warme Dusche danach.
Denk daran, dass du dank deinem Sportprogramm deine nächste Pizza ohne ein schlechtes Gewissen essen kannst.
Denk daran, dass dich dein Sportprogramm zu einem ausgeglicheneren Menschen machen wird.
Denk daran, dass dein abendlicher Run Abwehrkräfte aufbaut, die dich vor der nächsten Herbstgrippe schützen.

Sport als Lifestyle

Mach Sport zu deinem Lifestyle. Damit meine ich nicht, dass du Sport zu deinem Leben machen sollst, sondern Sport in dein Leben integrieren sollst. Egal wie viel Stress du hast, setze dir deine festen Termine für Sport und halte sie ein. Denn ganz ehrlich: 2 Stunden pro Woche kann jeder irgendwo abknapsen. Mit der Zeit wirst du merken, dass sich der Sport in deinen Alltag integriert und irgendwann nicht mehr wegzudenken ist.

back running girl

Sport BH | Sporthose | Schuhe

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4 comments

  1. Was für ein Zufall, gerade eben habe ich auch einen Post übers Laufen geschrieben!

    Ein wirklich schöner Artikel. Es freut mich, dass dir das Laufen so viel Spass macht. Deine Runde sieht auf den Bildern aber auch wunderschön aus. Ich sehe das Laufen für mich eher als notwendiges Übel; ich mache es eigentlich nur, um die Kondition für meine Tanzwettkämpfe zu verbessern. Früher habe ich es allerdings so sehr gehasst, dass es mich einige Überwindung kostete, überhaupt damit anzufangen. Nun finde ich es okay und jetzt wo es Sommer wird, freue ich mich sogar darauf.

    Die Sache mit dem Trainigspartner hat bei mir auch nicht geklappt, zumindest nicht im Bezug auf das Laufen. Ich bin immer noch sehr langsam und würde mich mit einem Partner selbst als Behinderung für die andere Person betrachten. Ausserdem gehe ich am liebsten dann laufen, wenn ich mich danach fühle, und das kommt meist ziemlich plötzlich.

    Deine Beine sind übrigens okay… Sie sehen fast nach Tänzerbeinen aus 🙂

    Grüessli Karin

  2. Wow, ich glaube wenn ich so gar keine Lust aufs Laufen hätte, könnte ich mich auch nur schwer dazu motivieren.

    Vielen Dank für das Kompliment. Tanzen ist ein toller Sport und richtige Tänzerbeine hätte ich gerne, habe aber leider sehr wenig Taktgefühl und beherrsche noch nicht mal die gängigen Standardtänze. 😀 Ich habe irgendwo auf deinem Blog gelesen, dass du Irish Dancing machst. Wie toll. 🙂 Ich habe ein Auslandssemester in Irland gemacht und in den Pubs wurde man quasi zum tanzen genötigt. Das hatte natürlich wenig mit Sport zu tun, sondern war rein zum Spaß, aber der Tanzstil ist einfach super. 🙂

  3. Ich bin tatsächlich auch am liebsten alleine unterwegs… da kann ich beim laufen so richtig gut abschalten. Dein Outfit im Beitrag ist ziemlich hübsch! Da stöbere ich mal nach, vielleicht habe ich noch Glück. Der Beitrag ist ja schon ein bischen her.
    Viele Grüße

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