Träume statt Pläne: Ein Plädoyer für Unentschlossene

plädoyer für unentschlossene title

Die Tatsache, “dass man irgendwie nicht mehr achtzehn ist”, merke ich in letzter Zeit vor allem, daran, dass alle meine Freunde, mein ganzer Bekanntenkreis, so etwas wie einen ungefähren Lebensplan zu haben scheinen. Einige heiraten und bekommen Kinder, andere konzentrieren sich voll und ganz auf ihre Karriere und kommen ihrem Traumjob immer näher. Und selbst diejenigen, die noch ein wenig strugglen scheinen zumindest ein klaren Ziel und eine klare Richtung zu haben.

Mit 18 dachte ich immer, dass ich mit Mitte zwanzig irgendwie im Leben angekommen wäre. In irgendeinem Job, den ich mir damals noch nicht so ganz vorstellen konnte. An irgendeinem Ort, von dem ich noch gar nicht wusste, ob er in Deutschland oder sonst wo liegen würde. Mit Ende zwanzig, so dachte ich, hätte ich meine Ziele erreicht und wäre zufrieden in einem festen Alltag.

Eine Möglichkeit und hundert Alternativen

Heute, mit Mitte zwanzig, weiß ich genauso wenig wie mit achtzehn, wo ich eigentlich hin will. Während andere zumindest einen grobe Richtung benennen können, möchte ich heute als Stewardess um die Welt fliegen, morgen Rangerin in Afrika werden und übermorgen in ein Dorf in Ostfriesland ziehen. Und klar könnte ich das alles tun. Aber eben nicht alles auf einmal in drei Tagen.

Viele Menschen in meinem Umfeld scheinen ein ganz anderes Problem zu haben. Während sie erzählen, “dass sie so langsam mal irgendwo ankommen möchten” und “keine Lust mehr auf Standortwechsel” haben, bereitet es mir Bauchschmerzen dass ich schon seit mittlerweile sechs Jahren in Hamburg wohne. Irgendwie müsste doch mal etwas neues her?

Von A über B nach C, aber nie zum Ziel

Ich habe tatsächlich mein komplettes Studium in Hamburg verbracht. Allerdings nicht, weil ich nirgendwo anders hätte leben wollen, sondern weil es einfach gepasst hat. Während meiner Studienzeit war ich jedoch drei Mal für Auslandssemester und Praktika im Ausland. Ich hatte alles in allem insgesamt knapp fünfzehn verschiedene Jobs. Und das nicht weil ich gemusst hätte. Klar hätte ich es mir auch leichter machen können. Aber ich bin froh darüber, dass ich mich ausprobiert habe. Und noch lange nicht damit fertig. Während ich vor einigen Monaten noch dachte, dass ich den Jobeinstieg auf jeden Fall in einem großen Unternehmen stattfinden muss, am besten mit Trainee Programm, damit ich wirklich save eine Karriere hinlege auf die ich irgendwann mal stolz zurückblicken kann, finde ich momentan die Selbstständigkeit viel attraktiver. Und irgendwie bin ich das ja auch schon. Sowohl in den Job eingestiegen, als auch selbstständig.

Der Weg ist das Ziel

Die Welt, ganz besonders die Online Welt, suggeriert einem heute, dass man alles erreichen kann wenn man nur will. Auf den ersten Blick scheint es so, als wären sämtliche Kontakte in meiner Facebook Timelime permanent damit beschäftigt um die Welt zu jetten. Heute Kapstadt, morgen Miami. Natürlich funktioniert das so nicht. Und natürlich sollte man realistisch bleiben. So war mein BWL-Studium auch und vor allem eine Vernunftsentscheidung. Es hat nicht immer Spaß gemacht, aber mit Marketing und Tourismus konnte ich mein Studium mit Kursen verbinden, die mich wirklich interessieren. Ich habe Grundlagen erlernt, auf die ich, ganz gleich in welchem Job einmal zurückgreifen kann. Und insgesamt war auch das eine Erfahrung.

Ich weiß zwar noch nicht, in welchem Job oder an welchem Ort ich eines Tages landen werde, aber zur Zeit lebe ich in Hamburg. Ich habe einen tolle Beziehung, einen tollen Hund und kann mir meinen nächsten Job frei aussuchen. Und wenn der nicht passt, kann ich mich weiter ausprobieren. Ich bin, zumindest für den Moment, zufrieden. Denn auch das waren mal kleine Ziele und Träume.

Aber Träume zu haben und Pläne zu machen, nur um sie wieder zu verwerfen, ist völlig in Ordnung. Nur stehenbleiben sollte man nicht. Denn der Weg ist das Ziel.

träume statt pläne

.

Seid ihr auch eher Träumer oder habt ihr einen festen Plan, den ihr verfolgt? 

Gefällt dir vielleicht auch

18 comments

  1. Ich kann das nur allzu gut nachvollziehen! Ich bin jetzt auch Mitte 20, alle werden sesshaft und bekommen Kinder und ich frage mich nur wann ich denn noch die ganze Welt bereisen soll und wohin die nächste Reise gehen soll 🙂 Ich bin auch in einer glücklichen Beziehung und mit meinem Leben zufrieden, aber ich will mich noch nicht auf einen Wohnort oder einen Job festlegen.

    Alles Liebe & Roshiboshi
    Verena

  2. Ich finde mich in deinem Text sehr wieder!
    Als ich angefangen habe zu studieren hatte ich sowas wie einen Plan… jetzt ist alles doch nicht so wie ich es mir vorgestellt habe und da bin ich genauso sprunghaft: heute ein gemütliches kleines Café eröffnen, morgen nach Neuseeland auswandern, …
    Ein sehr gelungener Post, Danke!

  3. Liebe Jana,
    ich habe lieber die Abwechslung in der Heimat genossen und war ebenfalls “nur” ein Semester weg.
    Alles in allem war das alles nicht geplant. Das Leben ist doch auch angeblich das, was passiert während man Pläne schmiedet. Und so ist es mir immer gegangen. Klar habe ich Träume, aber selten konkrete Pläne. Bisher passte immer irgendwie alles.
    Liebe Grüße!

  4. Ich musste schmunzeln als ich deinen Beitrag gelesen habe. Mir ging es Zeitweise auch so. Oder vielmehr es ergeht mir immer noch so. Und weisst du was ich gelernt habe? Es kommt immer alles anders – zumindest was die grossen Ziele anbelangen. Also geniesse den Moment und sei offen für Neues.
    Lieber Gruss
    Claudia
    http://www.hamerlike.ch

  5. Ich bin auch ziemlich planlos. Früher dachte ich mir, dass mein Informatik Studium die ideale Wahl für die Zukunft sein könnte. Da bin ich mir nicht mehr sicher. Noch 35 Jahre Programmieren ist eine Horrorvorstellung. Zum Glück endet mein Vertrag in 10 Monaten…

    Dann kann etwas Neues kommen, ich bin für alles offen

    1. Krass… Obwohl ich nicht programmieren kann dachte ich immer, wenn man das kann ist es ein absoluter Traumjob. Aber wahrscheinlich auch nur von außen gesehen. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg, wie auch immer deine neuen Pläne aussehen werden.

  6. Hallo Jana!
    Ich habe beim lesen Deines Artikels und auch der Kommentare ordentlich geschmunzelt! Ich bin “bereits” Ende 30, hab eine abgeschlossene Ausbildung,verheiratet, Kinder und das obligatorische Haus mit Garten.
    Ich arbeite jedoch mittlerweile in einem Job den ich nicht gelernt habe und der so gar nix mit meinem alten Job zu tun hat. War das geplant? Erst nachdem ich davon geträumt hatte! Das ist meine Taktik: Wenn ich von etwas träume und davon überzeugt bin, mache ich einen Plan! Natürlich geht der Weg dann nicht immer gerade aus und der Plan Punkt für Punkt auf, aber ich bin dabei mit etwas beschäftigt, was mich glücklich macht!

    Liebe Grüße
    Dagmar Steiner

    1. Stimmt, guter Punkt! Nur herumträumen bringt natürlich auch nichts und irgendwann muss man versuchen seine Träume in konkrete Pläne umzusetzen. ?

  7. Ein sehr schöner Beitrag!
    Ich bin teils Träumerin und Teils (muss) ich eher fest im
    Leben stehen da ich eine kleine Tochter habe. Wobei wenn ich mir meinen Freund so ansehe bin auf jeden Fall trotzdem noch immer ich die Träumerin und diejenige die einfach noch nicht fix DEN job gefunden hat (zum Glück ist ja einer von uns beiden der Realist und hat schon einen festen Job sonst würd das mit Kind eh nicht gehen) aber ich möchte eigentlich gerne mal ins Ausland was ja mit Marketing gut
    möglich ist. (meine Richtung habe ich ja mittlerweile schon gefunden nur noch nicht fix abgeschlossen). Es ist aber auch wirklich schwer weil man heute einfach wirklich mehr Auswahl hat-damals wurde es einem eher vorgegeben heute kann man nahezu alles errwichen wenn man es möchte und sein Ziel klar verfolgt. Aber ich glaube gerade dieser Punkt macht es so schwer sich wirklich einmal ganz genau festzulegen weil man immer so das Gefühl hat”da könnte ja noch mehr gehen und da möchte ich doch noch mehr erreichen”.

    Viele Grüße
    Denise von
    http://www.lovefashionandlife.at

    1. Ja, früher hatte man einfach viel weniger Auswahl. Auswandern & Co. war einfach überhaupt kein Thema und auch sonst haben die meisten Menschen vermutlich einfach das gemacht, was am naheliegendsten war. 🙂

  8. Hey Jana
    Ich habe gerade deine Seite entdeckt ”Daumen hoch” es gefällt mir hier.
    & mich in diesem Text auch gleich wieder erkannt.
    Werde mich jetzt noch etwas bei dir verweilen & wünsche dir einen schönen Tag.
    Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz
    Foehnlocke.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen findest du hier. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Mehr Informationen findest du hier.

Schließen