Was mir an Sri Lanka nicht gefallen hat: Sri Lankas dunkle Seiten

was mir an sri lanka nicht gefallen hat

Sri Lanka ist beliebt! Für 2019 zum Nr. 1 Reiseland des Lonely Planet Reiseführers gewählt, in den sozialen Medien gehyped und als Paradies auf Erden verkauft. Aber wie ist Sri Lanka wirklich? Fast schon hinter vorgehaltener Hand habe ich immer wieder gehört: Als Frau alleine hast du es dort nicht leicht. Auf der anderen Seite habe ich von vielen Frauen gehört, die problemlos alleine dort gereist sind. Wie ist das nun also mit Sri Lanka? In diesem Beitrag teile ich meine persönliche Erfahrung und Meinung darüber, was mir an Sri Lanka nicht gefallen hat. Diese ist selbstverständlich nicht allgemein gültig. Solltet ihr andere Erlebnisse gehabt haben, teilt sie gerne in den Kommentaren.

Was mir an Sri Lanka nicht gefallen hat: 1. Das Frauenbild in Sri Lanka

Es ist wohl das meist diskutierte Thema, wenn es um die Con’s einer Sri Lanka Reise geht. Wie wird man als Frau in Sri Lanka behandelt? Kann bzw. sollte man als Frau das Land alleine bereisen? Vorweg: Natürlich kann man das und es ist auch nicht so, dass man in permanenter Angst leben muss. Hört man sich im Internet um, finden sich vor allem zwei Meinungen: “Es geht gar nicht” oder “Es gibt überhaupt keine Probleme, wenn man sich an ein paar Regeln hält.” Beide Ansichten sind mit so vielen Beispielen belegt, dass ich zwischenzeitlich wirklich dachte, ich müsste im Ganzkörperanzug am Strand liegen. Das ist natürlich Quatsch. Meiner Meinung nach liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo dazwischen.

Frauen in Sri Lanka: Die Gleichstellung der Frauen

Es ist tatsächlich so, dass Frauen und Männer in Sri Lanka nicht gleichgestellt sind. Gerade in den weniger touristischen Gebieten ist uns das extrem aufgefallen. Dort fahren Frauen weder Roller noch Auto und in einem Tuk Tuk haben wir generell, wenn überhaupt, weiße Frauen gesehen. Frauen gehen nicht alleine in Restaurants oder Bars und überhaupt scheint das öffentliche gesellschaftliche Leben weitestgehend ohne Frauen abzulaufen. Natürlich gilt das nicht für weiße Frauen bzw. Touristinnen, aber ist dennoch befremdlich.

Und auch wenn man als Tourist anders behandelt wird, war diese Ungleichheit teilweise zu spüren. Es gab Tuk Tuk Fahrer, die mich komplett ignoriert haben. Die sich von mir nicht sagen lassen wollten, wo wir hinfahren und die auch ihre Bezahlung nicht von mir, sondern von meinem Freund entgegen nehmen wollten. Es gab Restaurants in denen mein Freund gefragt wurde, was ich essen und trinken möchte. Es gab Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, dass ich für meinen Gegenüber als Frau absolute Luft war. Das ist eine Erfahrung, die ich noch nie gemacht habe und mich, da ich in Sri Lanka überhaupt nicht damit gerechnet hätte, sehr überrascht hat.

Frauen in Sri Lanka: Freiwild?

Und obwohl ich mit meinem Freund unterwegs war, habe ich auch ich die sexistische Seite Sri Lankas kennengelernt. Stechende Blicke, ekelhafte Geräusche, Griffe in den den Schritt: Ja, das ist vorgekommen. Und nein, das ist weder schön, noch in Ordnung. Das Problem: Man kann genau nichts machen. Ich würde behaupten, dass ich mit solchen Situationen Recht gut umgehen kann, mich durchaus wehre und trotz meiner Hautfarbe und Größe kein allzu leichtes Opfer bin. Aber unterm Strich ist Sri Lanka eben nicht Deutschland, man ist solchen Situationen mehr oder weniger hilflos ausgeliefert und ich war sehr froh, dass ich nicht alleine war.

Natürlich kann man dagegen wirken indem man sich entsprechend anzieht und, besonders außerhalb der Tourismusregionen, Knie und Schultern bedeckt, sich bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel neben andere Frauen setzt (was leider nicht immer umsetzbar ist) und diese nach Einbruch der Dunkelheit komplett meidet (was man definitiv und konsequent als Alleinreisende tun sollte). Zudem wird empfohlen, sich einen Ehering mitzunehmen und, sofern möglich, immer zu behaupten, der Mann sei nur schnell einkaufen/ auf der Toilette oder würde in ein paar Tagen nachkommen.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal ausdrücklich sagen: Das gilt NICHT für alle Männer (und Frauen) in Sri Lanka. Wir haben auf unserer Reise viele wunderbare, gleichgestellte, Männer und Frauen getroffen. Und in Gegenwart vieler Männer in Sri Lanka, habe ich mich absolut sicher gefühlt. Dennoch sind diese Dinge Fakten und nicht zu leugnen, weshalb man sich im Voraus darauf einstellen und der Situation bewusst sein sollte.

Was mir an Sri Lanka nicht gefallen hat: 2. Die Situation der Straßenhunde in Sri Lanka

Um es in einer Clickbait Zeile auszudrücken: Noch weniger wert als Frauen sind Straßenhunde in Sri Lanka. Ich war viel in Asien unterwegs. Auch in Länder, die deutlich ärmer sind als Sri Lanka. Und dennoch habe ich noch nie so viel Hundeelend gesehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich als Hundehalterin besonders sensibel reagiere, aber der Zustand der Straßenhunde in Sri Lanka hat mich wirklich sprachlos zurückgelassen. Es mag sein, dass ich in diesem Punkt überempfindlich bin, aber tatsächlich ist das etwas, was mir, ganz besonders im zweiten Teil unserer Reise, teilweise etwas die Unbeschwertheit genommen hat.

Diverse Blogger, die Sri Lanka besucht haben diskutieren über das Wohl der Elefanten, die teilweise als Paradetiere genutzt oder in Elefantenweisenhäusern, die mehr zur Bereicherung der Inhaber, als zum Schutz der Elefanten, gehalten werden. (Während Bilder mit genau diesen Elefanten auf Instagram gefeiert werden- Wieder so ein Ding, dass ich nicht nachvollziehen kann!) Sicherlich: Auch das ist nicht richtig! Es sind in Sri Lanka aber nicht die Elefanten, die verhungern und verdursten, die im Straßengraben verenden oder von ihren Besitzern aus Spaß zu Tode gequält werden. Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum die ca. 40 Millionen Straßenhunde Sri Lankas im Rest der Welt so wenig präsent sind. Die Situation ist so übel, dass man einem Großteil alleine damit helfen würde, dass man sie aus ihrem Elend erlöst und ihnen einen würdevolleren Tod ermöglicht, als alleine und qualvoll im Straßengraben. Und genau da setzt die Dog Care Clinic e.V. die von der Deutschen Marina Möbius gegründet an. Anstatt Hunde nach Europa zu vermitteln helfen sie vor Ort, kastrieren, behandeln oder erlösen Straßenhunde. Die Organisation finanziert sich durch Spenden und Spenden ist so ziemlich das einzige, was man als Tourist wirklich tun kann, außer den Hunden etwas Wasser und Nahrung abzugeben und zu hoffen, dass sie den nächsten Tag überstehen.

ÜBRIGENS: Die Dog Care Clinic sucht momentan Flugpaten, die dringend benötigte Hilfsgüter wie z.B. Verbandmaterial oder Aufbaunahrung von Deutschland mit nach Sri Lanka nehmen können. Falls ihr demnächst eine Reise plant: So könnt ihr auch ohne Geld zu spenden helfen! Mehr Infos hier.

Was mir an Sri Lanka nicht gefallen hat: 3. Überlastete Infrastruktur

Sowohl für die Gleichstellung der Frauen als für die Situation der Straßenhunde tut der Tourismus einiges. Ein Problem, das der Tourismus aber verstärkt ist die, in Teilen den Landes jetzt schon überlastete, Infrastruktur. Der Tourismus in Sri Lanka wächst derzeit jährlich um 25% und die Infrastruktur kommt langsam aber sicher nicht mehr mit. Gerade beim Zug fahren fällt das sehr auf. Denn die Züge sind, je nach dem zu welcher Tageszeit man eine Zugfahrt antreten möchte, sehr überfüllt. Da sie relativ günstig sind, sind sie auch für die Singhalesen ein gängiges Verkehrsmittel, dass sie nun mit vielen Touristen teilen müssen. Noch geht das gut. Sollte das Land sich nicht um den Ausbau kümmern oder entsprechende Maßnahmen einleiten, könnte es in der Zukunft aber zu Problemen kommen.

Was mir an Sri Lanka nicht gefallen hat: 4. Bettler und Abzocker

Ich möchte vorweg sagen, dass ich dieses Problem in anderen Regionen der Welt sehr deutlicher zu spüren bekommen habe. Natürlich zahlt man als Ausländer nicht immer den Preis, den Einheimische zahlen würden, was in meinen Augen in einem gewissen Rahmen, völlig in Ordnung ist. Auch feilsche ich nicht um jeden Cent. Wenn aber jemand denkt, dass ich als Tourist eine wandernde Dollarnote bin, werde ich sauer. Gerade in Regionen, wo der Tourismus boomt habe ich das häufiger erlebt.

Auch in Sri Lanka hat man verstanden, dass man mit den Touristen Geld verdienen kann. Aber Abzockversuche haben sich, zumindest während unseren Aufenthaltes, in Grenzen gehalten. Sind wir zum Beispiel den gleichen Weg an unterschiedlichen Tagen mit unterschiedlichen Tuk Tuk Fahrern gefahren, haben sie ungefähr den gleichen Betrag dafür verlangt, der meist angemessen war. Natürlich gilt auch in Sri Lanka das alles verhandelbar ist, allerdings läuft das hier meist doch fairer ab, als ich es zum Beispiel auf Bali oder in Thailand oft erlebt habe.

Speziell in Colombo sind uns einige Trickbetrüger, die, gekleidet in Anzug und Krawatte durch die Gegend laufen und erzählen, dass ihr Kind eine schwere Krankheit hat, der Bankautomat aber kein Geld hat und fragen, ob man mal kurz mit 10€ aushelfen könnte, untergekommen. Von anderen Leuten, die sich für längere Zeit einen Fahrer gemietet haben, haben wir gehört, dass dieser nach einiger Zeit nach Geld fragte. Davon abgesehen muss ich tatsächlich sagen, dass ich in Hamburg auf der Straße öfters um Geld gebeten werde, als es in Sri Lanka der Fall war.

Was mir an Sri Lanka nicht gefallen hat: 5. Buddhistische Grundsätze

Buddhismus ist selbstverständlich kein Problem, allerdings wollte ich diesen Punkt, der Vollständigkeit halber, trotzdem ansprechen. Sri Lanka ist, zumindest im Süden, ein buddhistisches Land. Und es mag naiv sein, aber ich habe Buddhismus immer mit einem dicken Buddha und den gutmütigsten Menschen der Welt assoziiert.

Die Stellung der Frau, über die ich bereits ausführlich geschrieben habe, hätte ich persönlich eher mit dem Islam in Verbindung gebracht, als mit dem Buddhismus. Aber auch diese Aussage ist vielleicht auf Vorurteile und Unwissen gestützt. Und auch sonst sind die Regeln in Sri Lanka eher streng. So darf man sich zum Beispiel nicht mit dem Rücken zu Buddha Staturen fotografieren. Wer sich im Umfeld einer Buddha Statue unsittlich verhält, muss sogar damit rechnen festgenommen zu werden. Ähnlich kann es all denjenigen gehen, die ein Buddha Tattoo haben. Das gilt in Sri Lanka als Straftat und man kann mit sofortiger Wirkung des Landes verwiesen werden. Das ist in den letzten Jahren tatsächlich mehrmals vorgekommen. Auch im Bezug auf Alkohol versteht man in Sri Lanka wenig Spaß. Deshalb sollte man den, auch als Tourist (zumindest außerhalb der touristischen Zentren), in Maßen genießen sollte.

Was mir an Sri Lanka nicht gefallen hat: 6. Luxusprobleme: Kaffee- und Internetentzug und Langeweile

Gegenüber den anderen Punkten wirken diese drei wohl eher lächerlich, allerdings möchte ich sie dennoch mit aufnehmen. Guter Kaffee ist auf Sri Lanka schwer zu bekommen und das Internet ist vielerorts nicht wirklich gut. Gerade für digitale Normaden dürften diese beiden Punkte (oder zumindest der letztere) gut zu wissen sein.

Je nachdem was man sich von seinem Urlaub erhofft, könnte Sri Lanka zudem für den ein oder anderen tatsächlich ein wenig langweilig sein. Natur gibt es dort in Hülle und Fülle, allerdings sind die Unterhaltungsmöglichkeiten tatsächlich begrenzt. Shoppingmöglichkeiten wie wir sie kennen gibt es, bis auf einige wenige in Colombo so gut wie gar nicht. Abgesehen von einigen Bars gibt es kaum Nachtleben und mancherorts fühlt es sich ein wenig so an, als würde gegen 20 Uhr der Bordstein hoch- und die Fensterläden heruntergeklappt. Auf ein paar entspannte Bierchen kann man sich allerdings fast überall niederlassen. Gläubige Buddhisten stehen dem Alkohol allerdings eher verhalten gegenüber, weswegen das Trinken nicht zur Kultur gehört. Wer auf der Suche nach dem typischen Backpackerleben mit Full Moon Partys & Co. ist, sollte sich unter Umständen für ein anderes Ziel entscheiden.

Einige meiner persönlichen Erfahrungen und Eindrücke lassen sich vielleicht besser im gesprochenen Wort vermitteln. Deshalb habe ich das Thema auch noch einmal in Videoform festgehalten. Das Video ist sehr einfach gehalten und ich entschuldige mich schon jetzt für das ständige Gefummel in meinen Haaren und die blöden Geräusche, die mein Kameraobjektiv beim zoomen macht. ❤️

Es gibt vermutlich kein Land auf der Welt, in dem alles perfekt läuft. Trotz alle dieser Punkte hatte ich eine tolle Zeit in Sri Lanka. Ich bin glücklich darüber, dass ich die Möglichkeit hatte, das Land kennenzulernen.

Viele weitere Beiträge über das Land und noch viel mehr Gründe warum es sich lohnt nach Sri Lanka zu reisen findet ihr hier in der Sri Lanka Kategorie.

Und nun verratet mir gerne eure Meinung! Wie habt ihr Sri Lanka kennengelernt? Oder ist das Land noch auf eurer Bucket List und ihr fragt euch, ob es das richtige Ziel für eure Reise ist? Verratet es mir gerne in den Kommentaren. 

Gefällt dir vielleicht auch

3 comments

  1. Hi Jana,

    ich war 2015 als Frau alleine in Sri Lanka und meine Erfahrungen decken sich leider mit deinen negativen. Das Land ist wunderschön, aber während meines aufenthalts war ich mehr als einmal in unschönen situationen. Mit Tuk Tuks bin ich irgendwann gar nicht mehr gefahren. Ich denke es ist wie du sagst. Natürlich muss dir als alleinreisende frau nichts schlimmes passieren. Ist mir ja auch nicht, abgesehen von einigen unangenehmen Situationen. Die Chance dass etwas passiert ist aber insgesamt höher.

    Viele Grüße

    1. Hi Amelie,

      es tut mir sehr Leid dass zu hören, aber ich bin natürlich sehr froh, dass dir nichts schlimmeres passiert ist. Ich kann dir da nur zustimmen. Natürlich kann man Sri Lanka als Frau auch alleine bereisen, allerdings würde ich persönlich tatsächlich einige Sicherheitsvorkehrungen treffen und mich vor Ort mit anderen Reisenden connecten oder etwas mehr Geld in die Hand nehmen und tatsächlich auf Hoteltransport etc. zurückgreifen.

      So schade, zumal Sri Lanka eigentlich wirklich traumhaft schön ist! Ich hoffe du hast seitdem viele weitere Länder sicher bereist. 🙂

  2. In Sri Lanka war ich noch nie, aber das was du über die Stellung der Frau schreibst, boah, da fragt man sich dich, ob wir noch in der Welt von vor zweihundert Jahren leben.
    Du hast sicherlich Recht, in jedem Land gibt es etwas, dass einem nicht gefällt. Aber ich danke dir, dass du so schonlungslos ehrlich auch die negative Seite Sri Lankas dargelegt hast.

    Liebe Grüße,
    Mo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere