Fashion Week Berlin Review – Runways, Blogger & Goodie Bags

Es ist schon wieder über eine Woche her, dass ich aus Berlin zurück kam, mit einem Koffer voller Goodie Bags und einem Kopf voller Gedanken, Eindrücke und Erlebnisse. Fashion Week ist für viele mittlerweile eines DER Bloggerevents in Deutschland. The Place to be. Und gleichzeitig auch irgendwie so ein ewiges Streitthema, das mit Vorurteilen und Verurteilungen belegt ist. Und wer mir auf Instagram folgt weiß: Die hatte ich auch. Nach vier Tagen Berlin kann ich sagen: Fashion Week, das ist, wie alles andere im Leben auch genau das, was man draus macht.

Um es vorweg zu sagen: Ein Koffer voller Goodie Bags ist gelogen. Es waren genau vier. Und auch sonst haben sich viele Vorurteile zur Fashion Week nicht bestätigt. Noch vor einigen Monaten fragte ich mich hier, was dieses Blogger Gebashe eigentlich soll. Warum man ständig irgendjemandem die Daseins Berechtigung absprechen muss und warum nicht jeder selbst entscheiden kann, wie er wo auftritt. Spätestens nach einer Woche Fashion Week muss ich zugeben: Es gibt da Unterschiede. Bei der Fashion Week in Berlin fällt das ganz besonders auf, denn dort kommt einfach alles zusammen. Natürlich will ich damit niemandem unterstellen, sich nur für Goodie Bags zu interessieren (denn ja, ich finde die Dinger auch super!) oder oberflächlich zu sein. Aber zum ersten Mal ist mir klar geworden, wie schwer es ist einen Cut zu ziehen zwischen ernsthaftem Interesse am Job und denen, die sich, auf welche Art und Weise auch immer, auf Instagram tummeln und wenig Content, aber viel Ego bieten.

Fashion Week Berlin: The General Idea 

Blogger Issues mal ganz ausgeblendet ist Sinn und Zweck der Fashion Week, dass Designer ihre Mode präsentieren und Fashion Interessierte Personen sich diese anschauen. Natürlich ist der ganze Zirkus drum herum super spannend, dennoch frage ich mich: Macht es Sinn zur Fashion Week zu fahren um einige kostenlose Geschenke abzugreifen und sich in zwanzig verschiedenen Outfits mit Goodie Bags und Coffee to go ablichten zu lassen, dafür aber nicht eine Show, nicht ein Event aus der Nähe gesehen zu haben? Eigentlich geht es hier darum, neue Kollektionen einiger wirklich tollen Designer anzuschauen. Und natürlich ist es irgendwie spannend, wer sich da so in der Front Row tummelt, aber wer der Show überhaupt keine Beachtung schenkt, verpasst etwas. Und wer nur damit beschäftigt ist Selfies von sich selbst zu machen ist auch etwas respektlos, denn Kern der Fashion Week sind die Designer und ihre Kreationen. Umso mehr wundert es mich, dass auch die größeren Blogger vielmehr ihre eigenen Outfits als die der Designer präsentieren. Why?

In den letzten Tagen habe ich auf verschiedenen Blogs und Instagram Accounts, neben den Outfitposts, vor allem eines gelesen: Verschlossene Türen. Auf Instagram beschwert sich jemand, dass er vor verschlossenen Türen stand. Trotz Ticket. Eine andere Bloggerin schreibt darüber, dass sie, obwohl ihr Aufenthalt von einer PR Agentur organisiert wurde, bei Regen und Sturm vor der Tür warten musste. Bei uns lief tatsächlich alles mehr oder weniger genau so, wie geplant.

Fashion Week Berlin: Hinter den Kulissen mit CATRICE

Eine erste Ahnung davon, wie viel Zeit und Arbeit wirklich hinter so einer Show steckt, bekam ich, als wir zum ersten Mal Backstage das Team von Catrice im Königspalais vor der Gruppenpräsentation besuchten. Unter der Regie der Head of Make Up Loni Baur sorgt ein Visagisten Team dafür, dass jedes der Models den perfekten Beauty Look zum Designeroutfit trägt. Und da die Visagisten sich, trotz Stress, die Zeit nahmen sich um unser Make Up zu kümmern, hatten wir auch direkt die Möglichkeit, sie ein bisschen auszufragen. Das Make Up zur Show ist, neben dem Outfit, so ziemlich das wichtigste und entsteht nicht einfach so, sondern wird vorher genau geplant, festgelegt und auch festgehalten, damit es zum Showtag keine Unklarheiten mehr gibt.

Fashion Week Berlin: Gruppenpräsentation im Kronprinzenpalais, Odeeh & Marina Hoermanseder

Nachdem wir Backstage mit Infos (und Make Up) versorgt worden waren, schauten wir uns die Gruppenpräsentation im Kronprinzenpalais an. Für mich hätte es keinen besseren Auftakt in die Fashion Week geben können. Denn dort stellten nicht nur wunderbare Designer (unter anderen Strenesse, Rianna + Nina, Unnützer, Maiami Berlin, Odeeh), sondern auch Fotografen (Axel Hoedt, Max von Gumppenberg & Patrick Bienert, Thomas Loehr) und Interoir Designer (freistil x Dawid Tomaszewski, Jan Kath, Lala Berlin x Rebuclic of Fritz Hansen) aus. Und zum ersten Mal seit sehr länger Zeit merke ich wieder: Mode, das sind nicht nur Klamotten, sondern auch Kunst. Das inspiriert mich.

Die nächste Show die wir besuchen ist von Odeeh. Das wir sie überhaupt besuchen ist einer Mischung aus Glück, Organisation und Timing geschuldet, denn Berlin ist doch mal wieder größer als gedacht und vergibt Straßennamen doppelt. Und hier bekomme ich auch zum ersten Mal ein Gefühl davon, wie es sich anfühlen muss, draußen stehen gelassen zu werden. Das passiert uns zwar nicht, aber da wir zunächst nur Stehplätze haben, werden wir von diversen unterschiedlichen Leuten von der einer in die andere Ecke gescheucht und stehen irgendwie überall im Weg. Letztendlich sitzen wir aber doch und die Show geht los. Ich bin begeistert!

Fotos: Patrick Piel

Mein Favorit der Fashion Week war jedoch definitiv die Show von Marina Hoermanseder, die wir an Tag drei besuchen. Auch hier dürfen wir früher hinein, auch hier sind wir Backstage und hier bekommen wir wirklich alles, vom Aufbau der Halle, über das Make Up, das Fitting, das Seating usw. mit. Treffen Marina, schauen der Generalprobe zu. Während der Show sitze ich neben der Social Media Verantwortlichen der Gala. Zumindest nehme ich an dass sie das ist, denn sie füllt den Gala Instagram Account fleißig mit Stories. Ein “Wow” geht durch die Reihen und wir stimmen beide darüber überein, dass die Hose, die da gerade an uns vorbeiläuft, eines der Highlights ist. Und ich muss lächeln, bin plötzlich doch ein bisschen das kleine Blogger Mädchen und fühle mich wie Dan in Gossip Girl, der am Ende sagt, dass er sich in diese Glamour Welt einfach selbst hinein geschrieben hat. Aber die Gala Redakteurin ja auch, irgendwie. Genau wie die anderen sich hineindesigned, fotografiert oder was auch immer haben. Und hier fällt mir auf: Dieses Vorurteil der arroganten Modebranche kann ich nicht bestätigen. Eigentlich sind hier alle vor allem eines: Sehr nett.

Foto: Patrick PielFotos: Patrick PielFoto: Patrick Piel Foto: Patrick Piel 

Foto : Gero Breloer für Catrice Cosmetics

Fashion Week Berlin: Fashion by Hala Al Gharbawi

Neben den offiziellen Shows und Side Events stand ein ganz besonderer Termin an: Ein Fitting bei der Designerin Hala Al Gharbawi. Die Nachwuchsdesignerin hat an der ESMOD studiert und wurde mit dem 25. Hempel Award in der Kategorie Young Fashion Designer ausgezeichnet. Wir dürfen einige ihrer Designs während unseren Fashion Week Terminen tragen. Zum einen eine absolute Ehre und zum anderen rettet es auch ein bisschen meine Outfitsituation. Denn wirkliche Designerteile sind in meinem Koffer, um ehrlich zu sein, nicht übermäßig viele.

Die Sorge, dass die Designs nur Models passen ist unbegründet. Zwei der Looks passen mir wie angegossen. Wieder merke ich ganz stark, dass Mode so viel mehr ist, als nur “irgendwas zum anziehen”.

Fashion Week Berlin: The faboulous life of Fashion Bloggers

Was wäre die Fashion Week ohne Blogger Events. Und auch die sind wunderbar. Zum Leute kennenlernen, zum connecten, zum Austausch und auch zum Leute wieder treffen. Die HashMAG Blogger Lounge, die von den Mädels aus Hamburg organisiert wird, ist ein Muss und und ein absolutes Highlight. Bekannte Gesichter, tolle Happenings, leckeres Essen. Fühlt sich fast an wie zu Hause.

Die HashMAG Lounge ist natürlich nicht das einzige Bloggerevent und ich bin tatsächlich ein bisschen traurig, dass ich das FashionBlogger Café verpasst habe. Vielleicht schaffe ich das ja nächstes Mal.

Fashion Week Berlin: Is this happening again? 

Freitag geht es wieder zurück nach Hamburg. Ein Orkan weht quer durch Deutschland, Hamburg versinkt im Schnee die Bahnen zwischen Berlin und Hamburg fallen komplett aus. Ich hasse Bus fahren, aber es hilft nichts. Ich stehe am Fernbusbahnhof und würde gerne die Welt verfluchen. Der Bus fährt nämlich mit 3 Stunden Verspätung und es ist einer dieser Momente, in denen ich mir ein eigenes Auto herbeiwünsche. Den Rücktransport werde ich nächstes Mal definitiv anders organisieren.

Und sonst? Im Nachhinein hätte ich gerne noch viel mehr gesehen. Mehr Shows, mehr Menschen, mehr Inspirationen aufgesaugt. Allerdings sind vier Tage eben nur vier Tage. Zieht man die Zeit fürs Schlafen, Essen, fertig machen und vor allem auch die Wege mit ab, ist das keine Ewigkeit. Einige Einladungen konnten wir nicht annehmen und vor allem was die Partys angeht haben wir Abstriche gemacht (und waren auf keiner einzigen). Aber nach der Fashion Week ist auch vor der Fashion Week. Und ehrlich gesagt kann ich es kaum erwarten.

Foto: Patrick Piel 

Ein besonderer Dank geht an unseren Fotografen Patrick Piel, der uns während der kompletten Fashion Week begleitete, an das Vienna Hotel Easy Berlin, die uns Zimmer & Verpflegung stellten, an Hala Al Gharbawi, deren wunderbare Designs wir tragen durften, an Icono Friseure, die sich jeden morgen darum kümmerten, dass unsere Frisuren saßen und natürlich an Catrice Cosmetics, die sich nur die Zeit für unser Make Up nahmen, sondern uns auch mit hinter die Kulissen der Fashion Week Berlin nahmen. ❤️ 

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17 comments

    1. Hi Tina, ich habe es schon bei dir auf dem Blog gesehen. Besonders toll fand ich dein Interview mit Loni. Vielleicht ja nächstes Mal. 🙂
      Liebe Grüße

  1. So eine schöner Fashionweek Bericht. Ich muss ja zugeben, einmal dort zu sein wäre schon ein Traum. Vor allem marina Hoermanseder ist einfach toll. Ich habe die Show unter anderem bei dir live auf Insta verfolgt und war echt beeindruckt.

    Liebe Grüße

  2. Wow so viele schöne Eindrücke und vor allem: deine geschilderten Erlebnisse kann ich genau so übernehmen 🙂
    Gerade bei der Fashion Week oder such den Press days merkt man erst , wievwieviel Arbeit doch in den Entwürfen steckt und was alles hinter den Kulissen passiert. Einfach unglaublich spannend ! Deinen Vergleich mit Dan aus GG finde ich übrigens ganz wunderbar – und so passend ! 🙂
    Ich hoffe wir sehen uns dann beim nächsten mal such zur FW 😉

    Xxx
    Tina

    https://styleappetite.com

  3. Deine Review ist wirklich toll und das ausführlich. War wirklich sehr spannend zu lesen. Was die Rückfahrt angeht hast du auf jeden Fall mein Mitgefühl. Ich hasse Bus fahren auch und noch mehr hasse ich es, wenn man mit dem Zug bzw. Bus unterwegs ist und das Ganze einfach nicht so funktioniert wie es sollte.

    Liebe Grüße, Milli
    (http://www.millilovesfashion.de)

  4. Vielen Dank für den interessanten Bericht und die tollen Eindrücke. Ich möchte auch unbedingt mal hin. 🙂 Dieses Wochenende eröffnet Marina Hoermanseder bei mir in der Nähe einen Pop Up Store und ich bin zur Eröffnung eingeladen. Ich bin schon mega gespannt auf sie und die Kollektion. 🙂
    Liebste Grüße
    Doris
    http://www.miss-classy.com

  5. Ich finde es schön, endlich mal wieder einen positiven Artikel zur Fashion Week zu lesen. Viel ist echt nur noch Runtermachen. Ich bin da ganz bei dir – die Fashion Week ist was man draus macht. Freut mich, dass du eine schöne und aufregende Woche hattest. xxx

  6. Der Berliner Modesalon war wirklich toll. Dein Artikel ist sehr schön geschrieben und ich kann dir in so vielen Punkten beipflichten. Ich finde auch, dass es solche und solche Blogger/innen gibt und man kann sie wirklich nicht alle über einen Kamm scheren.
    Vielen Dank fürs Teilen deiner Eindrücke. Alles Liebe und viele Grüße Marie

  7. Pingback: Fashion Week #Berlin Tag und Nacht | Fashion aus Hamburg

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