Road Trippin’ Mecklenburgische Seenplatte

Dieses Jahr fordert von uns allen einiges. Neben neuen Hobbies, der Konzentration auf die kleinen Dinge, das Suchen und Finden von uns selber und unserem Sinn im Leben ist das (weniger deep, aber dennoch wahr): Flexibilität beim Reisen. In die Ferne schweifen geht momentan nicht und so fahren wir nicht nur ein wenig runter, sondern auch weniger weit weg: Heißt: Reisen im eigenen Land war niemals beliebter. Und gerade wir in Deutschland haben das Glück, dabei eine Vielfalt an Städten, Kulturen und Landschaften besuchen zu können. Mein aktuellstes Ziel: Die Mecklenburgische Seenplatte.

Corona hat uns vor allem eines beschert: Zeit. Aber um ehrlich zu sein auch: Fehlende Aufträge und knappe Budgets. Und so ließ ich mich zu einem Camping Trip überreden. So richtig Camping. Mit dem Wohnmobil. Wohnmobile und ich, das passt irgendwie nicht, dachte ich. Wohnmobile waren für mich irgendwo zwischen Gartenzwergen und Schrebergärten in der spießigsten Ausführungen anzusiedeln. Außerdem muss ich dabei immer an die 90er Jahre RTL Sendung “Die Camper” denken. Und auch dieses Klischee haben wir während unseres Road Trips entlang der Mecklenburgischen Seenplatte bestätigt bekommen. Aber dazu später mehr.

Wir starten bei bestem Wetter aus Hamburg und während wir uns vorsichtig Richtung Horner Kreisel und A24 vortasten merke ich: Ganz schön geräumig, so ein Wohnmobil. Tatsächlich fühlt es sich etwas an, als würde man auf einem sehr großen Sofa sitzen. Sehr praktisch für mich, denn auf dem Beifahrersitz kann ich so super den Trip planen. Denn bisher wissen wir nur: Unser Ziel, die Mecklenburgische Seenplatte, ist etwa drei Stunden entfernt.

Tatsächlich war es schon mein zweiter Trip an die Mecklenburgische Seenplatte. Bereits im vergangen Herbst durfte ich an einem, leider sehr verregneten Wochenende, einen Hausboottrip über die Müritz und den Flesensee machen. Genau dorthin navigiere ich uns jetzt, denn ich erinnere mich an gemütliche, kleine Häfen und (zumindest einen) schönen Sonnenuntergang.

#RoadTrip, #Vanlife und #Overland oder einfach #Camping?

Da wir mit unserem Haus auf vier Rädern nicht auf dem Wasser parken können, muss eine Alternative her. Aber gängige Buchungstools haben Campingplätze nicht im Programm. Also google ich und lerne: Die meisten Plätze muss man nicht vorab buchen. Man fährt ganz einfach vorbei. Oder, möchte man einen Platz sicher haben, ruft man einfach an. Und: Campingplatz ist nicht gleich Campingplatz. Es gibt da diverse Unterschiede. Während man mit einem (Dach-) Zelt und einem Wohnwagen einen Campingplatz braucht, reicht für Wohnmobile ein Stellplatz aus. Manche Stellplätze sind aber eigentlich schon Campingplätze und andersherum.

Für die erste Nacht möchten wir aber weder einen Campingplatz, noch einen Stellplatz, sondern einfach frei irgendwo in der Natur stehen. Nach einigen Recherchen stoße ich auf die App Park 4 Night – ein absolutes Must Have für alle, die auf vier Rädern unterwegs sind. Hier sind nicht nur alle Camping- und Stellplätze, sondern auch dutzende Parkplätze, versteckte Spots an Enden von Feldwegen und vieles mehr verzeichnet. Da unser WoMo zwar quadratisch, praktisch, gut, aber eben kein Offroader ist, müssen wir bei den ersten beiden Spots aufgeben. Dann finden wir jedoch, direkt an einem kleinen See, einen Parkplatz. Den teilen wir uns in unserer ersten Nacht mit drei weiteren Übernachtern. Dafür haben wir den Sonnenaufgang über dem See um 4.45 Uhr ganz für uns.

mecklenburgische seenplatte bergsee parkplatz stellplatz womossonnunaufgang über see mit stegsonnenaufgang über see steg frau hund

Die “Alman Anette” der Mecklenburgischen Seenplatte oder: Camping für Fortgeschrittene

“Wir sind ein Stellplatz, kein Campingplatz”, blökt es mir einige Stunden später aus dem Telefon entgegen, als ich vorsichtshalber bei einem Stellplatz (keinem Campingplatz!) nahe des Plauer Sees anrufe. “Ja klar, Stellplatz meinte ich! Wir haben auch ein Wohnmobil” entgegne ich schnell. “Einen Platz für Wohnmobile haben wir noch frei. Aber nur für Wohnmobile. Keine Wohnwagen. Keine Vorzelte. VORZELTE SIND VERBOTEN!!” kommt es zurück. Ich bin leicht perplex, aber wir haben ja kein Vorzelt, die Sonne scheint, ein sommerlicher Tag bricht an und wir wollen nicht mehr länger mit der Suche nach einem geeigneten Platz verschwenden. Außerdem hätte ich gerne einen Stromanschluss für meinen Laptop. Also machen wir uns auf den Weg Richtung Plauer See und landen auf einem richtigen Camping- pardon: Stellplatz. Wir bekommen eine kleine Parzelle direkt am Kanal zugewiesen. “Mittig zwischen den vier Steinen bitte!” Und auch wenn wir uns zwischen knapp dreißig anderen Wohnmobilen etwas gequetscht vorkommen, freuen wir uns über den Wasserblick und die kleine Grillfläche für den Abend.

Müritz, Flesensee, Kölpinsee und Plauer See: Mecklenburgische Seenplatte at it’s best

Nachdem wir bereits am frühen Morgen einen Abstecher an die Müritz gemacht haben und unterwegs einige Blicke auf den Kölpinsee und den Flesensee geworfen haben, verbringen wir den Tag nun am wunderschönen Plauer See. Dort gibt es einen Abschnitt für Hunde, der aus einer großen Wiese und sogar einem kleinen Strandabschnitt besteht. Perfekt zum Ausspannen, ein paar Seiten lesen und dringend benötigte Sonnenstrahlen einfangen. Ein Supermarkt und mehrere Restaurants sind auch vorhanden. Insgesamt ist es am Plauer See nicht ganz so touristisch wie an der Müritz. Wobei selbst dort keine Rede von Menschenmassen sein kann.

plauer see schilf am ufervanlife bücher close up

Als wir gegen 17 Uhr zurück zu unserem Wohnmobil kommen und gerade den Grill auspacken wollen, fährt ein weiteres Wohnmobil vor und quetscht sich auf die wenigen Meter zwischen uns und dem Ufer des kleinen Kanals. Abgesehen davon, dass nun kein Platz mehr für unseren Grill ist, wird es uns nun wirklich zu eng. Da wir sowieso noch nicht gezahlt haben, lösen wir schnell nur ein Tagesticket und sind zwei Minuten später wieder auf der Straße. Eigentlich sollte es erst morgen weiter gehen, aber mit ausreichend Strom können wir nun auch eine weitere Nacht auf einem Parkplatz verbringen. Oder direkt unser nächstes Ziel anfahren.

Kummerower See – Entschleunigung pur!

Einen Tag früher als geplant kommen wir am Kummerower See an. Schon auf den ersten Blick merken wir, dass wir hier doch eher hinpassen. Anstatt kleinen Parzellen für einzelne Wohnmobile gibt es hier eine große Wiese; am Rand viele Bäume mit Hängematten, Schilf und das Ufer des Kummerower Sees. “Fahrt einfach drauf und sucht euch einen Platz” ruft uns der Besitzer zu.

Wir schmeißen Grillkäse, Champignons und Würstchen auf den Grill und lassen den Abend entspannt ausklingen. Als ich um 22 Uhr ins Bett krieche, kann ich die Sonne aus dem kleinen Fenster am Fußende untergehen sehen und denke mir: Gar nicht so schlecht, dieses WoMo Life.

Am nächsten Morgen springe ich um 5.30 Uhr aus dem Bett! Verdammt, wir haben den Sonnenaufgang verpasst. Gut, dass meine innere Uhr mich zumindest unterwegs früh aufwachen lässt. Schnell angezogen und auf an den kleinen Strand, ein paar Meter vom Platz entfernt. Von hier aus beobachten wir, wie die Sonne sich langsam über dem See ausbreitet, und das Schloss, das der ganze Stolz des winzigen Dorfes ist, in dem wir uns befinden, anstrahlt. Wir planen den Tag, überlegen eine Bootstour zu machen. Entscheiden uns aber dann doch dagegen. Heute machen wir einfach mal gar nichts.

Zurück auf dem Platz lernen wir Hans, seine zwei Australian Shepards und seine zwei Katzen kennen. Alle zusammen reisen mehrere Monate im Jahr mit seinem Van durch ganz Europa. Oder, in diesem Jahr eben durch Deutschland. Hans ist Mitte sechzig. Nur die Geschichten, die er aus seinem Leben erzählt, verraten sein Alter. Da Hans keinen eigenen Grill hat, laden wir ihn zum Abendessen ein.

Der nächste Tag startet wolkenverhangen. Regen kündigt sich an. Wir überlegen in den Norden oder in den Süden zu fahren. Entscheiden uns dann aber doch für Hamburg. Ein letzter Kaffee, wir zahlen einen sehr günstigen Preis für zwei Nächte inklusive allem, plus ein paar Getränke und Snacks am Kiosk. “Machts gut, bis zum nächsten Mal!” winken die Betreiber uns fröhlich zu, als wir den Platz verlassen.

mecklenburgische seenplatte kummerower seekummerower schloss von obencampingplatz kummerower see hängemattecampingplatz grillen salatcampingplatz mecklenburgische seenplatte hängemattecamping mecklenburgische seenplatte hundkummerower see sonnenuntergangmecklenburgische seenplatte kummerower see

Road Trippin’ Mecklenburgische Seenplatte: Fazit

Als wir in das Wohnmobil steigen fallen die ersten Tropfen vom Himmel und unsere spontan gewählte Route führt uns über Rostock zurück nach Hamburg. Eigentlich wollte ich einen Stop in Magdeburg machen, aber dort regnet es bereits seit gestern in Strömen. Macht nichts, dann beim nächsten Mal. Nächstes Mal? Ja, warum nicht. Auf Dauer aber vielleicht doch lieber im eigenen Camper oder Van. Denn neben all den Vorurteilen, die ich gegen den WoMo Lifestyle hatte, hat sich eines doch bewahrheitet: Für unsere Zwecke ist es ein wenig zu groß und zu wenig geländegängig.

Zurück zu Hause durchsuchen wir eBay Kleinanzeigen und Co. Schwanken zwischen Campern, Vans und Landrovern. In meinem Kopf bekommt jede Kategorie bereits jetzt eine Pro und Contra Liste. Vielleicht ja doch, irgendwann. Die nächste Tour, so entscheiden wir starten wir aber erst einmal mit Gundula (dem Auto) und einer Automatratze.

Jetzt bin ich gespannt: Wart ihr schon einmal an der Mecklenburgischen Seenplatte? Oder seid ihr öfters mit dem Wohmobil, Van, Camper oder Bulli unterwegs? Wäre so eine Art von Urlaub etwas für euch? 

Mehr Urlaubsziele in ganz Deutschland findet ihr übrigens hier

Gefällt dir vielleicht auch

3 comments

  1. Vielen Dank für diesen tollen Bericht. Die Fotos sind so wunderbar stimmungsvoll. Da bekommt man direkt Lust einen Bulli zu bepacken und selbst loszufahren.

    1. Vielen Dank für das Kompliment! Ja, dieses #VanLife und alles, was damit zusammenhängt, gibt einem schon ein richtiges Gefühl von Freiheit! ❤️

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.