RESPECT DEPRESSION: PROJECT SEMICOLON;

Früher wollte ich Journalistin werden. Ich wollte Schreiben, Menschen begeistern und meine Meinung sagen. Als die Studiumsentscheidung anstand begann ich mich zu informieren und schnell viel mir auf: Meine eigene Meinung würde ich als Journalistin meist hinten anstellen müssen. Da das Interesse an Printmedien immer weiter zurückging und die Zukunft des Online Journalismus schwammig war, wurde allgemein vom Journalismusstudium abgeraten. Ich entschied mich stattdessen für Tourismus-management und damit für meine zweite Leidenschaft. Eine Entscheidung, die ich definitiv nicht bereue. Meine Schreibfreude lebe ich seit einiger Zeit trotzdem auf diesem Blog aus. In erster Linie geht es hier um alles was Spaß macht. Reisen, Mode und andere Lifestylethemen. Zu Beginn meiner Blogger-Aktivitäten nahm ich mir vor, auch ernsten Themen eine Plattform zu geben. Die Wahrheit ist nämlich: Niemandem geht es immer gut. Da mir das Thema Depression und andere psychische Krankheiten auch persönlich sehr am Herzen liegt, habe ich beschlossen, darüber zu schreiben.

In meinem direkten Umfeld sind psychische Krankheiten viel verbreiteter als physische Krankheiten. Gerade in den letzten Jahren höre ich immer wieder von verschiedensten Personen, das sie in Therapie sind. Burnout, Angststörung, Zwangsstörung, posttraumatische Belastungsstörung oder soziale Störung. Die Liste ist lang. Weitaus am häufigsten höre ich aber das, was wohl das Ergebnis vieler Störungen ist, oder direkt mit ihnen einher geht: Depression. Vielleicht habe ich einen etwas speziellen Bekanntenkreis. Vielleicht ist das aber heutzutage tatsächlich eine Tatsache.

Jahrhundert Trend: Psychische Krankheit

Ich denke letzteres trifft zu. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen leben wir, in der westlichen Welt, im Wohlstand und, zumindest weitestgehend, in Frieden. Die meisten von uns sind nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Krieg kennen wir nur aus dem Fernsehen. Die Grundbedürfnisse sind somit alle gedeckt. Müssten wir vor Bomben davonlaufen oder um unser tägliches Essen kämpfen, hätten wir sicherlich weniger Zeit, die wir unseren psychischen Problemen widmen könnten. Uns ging es psychisch zwar nicht besser, aber andere Probleme währen dringender.

Hinzu kommt, dass wir die Wahl haben. Die Welt steht uns offen und wir kennen kaum Grenzen. Wir können entscheiden, was wir aus unserem Leben machen. Wir können leben, wo wir wollen. Dubai, Singapur oder doch lieber Berlin? Auch bei der Frage wie wir leben wollen, stehen uns alle Türen offen. Stecken wir unsere Energie in eine Familie oder entscheiden wir uns bewusst dagegen? Viele dieser Entscheidungen werden niemals wirklich getroffen, sondern bleiben immer irgendwie offen. Ein Jobwechsel? Ein weiterer Sprung auf der Karriereleiter? Theoretisch immer möglich. Aber die beste Entscheidung?

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Und dann ist da die immer währende Frage: Habe ich etwas verpasst? Und falls ja: Kann und will und soll ich es aufholen? Vor 50 Jahren war das anders. Man blieb meist da, wo man geboren wurde. Die Frage, ob man eine Familie wollte, stellte sich eigentlich nicht. Die Frage, was das Ziel eines jeweiligen Lebens war, war weitestgehend klar. Noch einmal 50 Jahre zurück stellte sich auch die Jobfrage nicht. Die Frau blieb zu Hause und der Mann machte das, was sich eben ergab. Auch Eheschließungen waren doch meist mehr der Vernunft, als der Liebe geschuldet. Es ist schön, dass wir heute die Wahl haben. Aber es kann auch überfordern.

Psychische Krankheiten: Immer noch Tabuthema

Außerdem gibt es bestimmt noch hunderte weitere Gründe, welche uns für psychische Krankheiten anfällig machen. Aber die sind eigentlich egal. Fakt ist: Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind längst ein Teil unserer Gesellschaft geworden. Und obwohl darüber geredet wird, ein Tabuthema. “Ich habe mir ein Bein gebrochen.” oder “Ich habe einen kaputten Rücken.” kommen einem sehr viel selbstverständlicher über die Lippen als “Ich habe eine Depression.” Das liegt ganz einfach daran, dass psychische Krankheiten nicht sichtbar sind. Während ein gebrochenes Bein deutlich sichtbar ist, und es für einen kaputten Rücken immerhin einen ärztlichen Befund gibt, sind Depressionen komplett unsichtbar. Die Diagnose entsteht meist alleine aus Therapiegesprächen. So entsteht leicht der Eindruck, dass der Betroffene simuliert. Ein bisschen k.o. fühlt sich schließlich jeder Mal. Aus Angst, als Simulant dargestellt zu wirken, schweigen einige lieber.

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Hinzu kommt, dass nicht nur die psychische Krankheit an sich, sondern auch der Heilungsprozess unsichtbar und scheinbar unberechenbar ist. Ein gebrochener Knochen wächst wieder zusammen. Ein Rückenleiden verschwindet vielleicht nicht, kann aber zumindest klar eingegrenzt werden. Eine Depression kann jeder Zeit zurückkommen. Seinem Chef erzählt man das lieber nicht.

Auch glauben viele immer noch als “verrückt” eingestuft zu werden. Letztendlich ist es auch nicht unbedingt einfach sich einzugestehen, dass nicht nur der eigene Körper, sondern auch die Seele nicht unkaputtbar ist.

Respect Depression: Project Semicolon

Bei dem Project Semicolon handelt es sich nicht um eine Hilfsorganisation im klassischen Sinne. Vielmehr versucht es Hoffnung zu geben. Das Semicolon soll Betroffene einerseits verbinden. Andererseits soll es die Bereitschaft zeigen, über psychische Krankheiten zu reden. Psychische Erkrankungen, können  schlimmstenfalls mit dem Tod enden. Das Semicolon zeigt, dass die Krankheit zwar zu dem Leben des Betroffenen gehört, dieses aber nicht beendet.

A semicolon is used when an author could’ve ended a sentence but chose not to.
You are the author and the sentence is your life.
– Project Semicolon

Über #mystoryisntoveryet und #projectsemicolon werden auf Instagram und anderen sozialen Medien Fotos mit dem Semicolon und motivierende Geschichten zum Thema geteilt. Auch in Deutschland sieht man immer öfter Personen, die das ; sogar tattoowiert haben.

Zeichen und Tattoos sind keine Therapie. Sie können nicht heilen und lösen keine Probleme. Darum geht es den Gründern von Project Semicolon aber auch nicht. Vielmehr wollen sie das öffentliche Bewusstsein für die Thematik erweitern. Sie geben einen kleinen Anstoß über psychische Krankheiten zu reden und zeigen Betroffenen, dass sie nicht alleine sind.  Und das finde ich gut.

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Mehr Informationen zu dem Projekt gibt es hier

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Wie steht ihr zu dem Thema psychische Krankheiten? Was haltet ihr von dem Projekt Semicolon? 

 

 

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