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Green Valley Hill Elephant Camp – Elefanten in Myanmar

Elefanten sind faszinierende Tiere. So faszinierend, dass sie in ganz Südostasien in Elefantencamps zur Bespaßung für Touristen angeboten werden – auch in den Ländern, in denen Elefanten eigentlich gar nicht leben. Myanmar und Elefanten, das gehört hingegen zusammen. In keinem anderen Land gibt es so viele Arbeitselefanten wie hier. Aber welche Geschichte haben die Elefanten in Myanmar? Und wieso unterscheidet sich das Green Valley Hill Elephant Camp von anderen Elefanten Camps? Das erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Dafür, dass Myanmar das Land der Elefanten ist, ist es gar nicht so einfach, ein Camp zu finden, in dem man die Dickhäuter kennenlernen kann. Auf das erste stießen wir am Ngapali Beach, schafften es aber aus Zeitmangel nicht dort hin. Ein weiteres fanden wir einige Stunden vom Inle Lake entfernt. Und so entschieden wir uns für einen kurzen Abstecher in das ehemalige Kolonialstädtchen Kalaw und zum Green Valley Hill Elephant Camp. Anders als in Thailand sind in Myanmar Elefantencamps für Touristen tatsächlich wenig verbreitet. Das liegt hauptsächlich daran, dass es in Myanmar nicht annähernd so viele Touristen gibt und, zumindest aktuell, die Nachfrage nach den typischen Touristenattraktionen nicht besonders hoch ist.

Green Valley Hill Elephant Camp – Ein Hilfsprojekt

Und wer auf eine typische Elefantenshow hofft, der wird auch im Green Valley Hill Elephant Camp enttäuscht. Aus Respekt vor den Tieren und mit dem Vorsatz eine neue, tierverträglichere Herangehensweise an “Elefantentourismus” zu etablieren, werden die Dickhäuter hier nur von den Mahuts, den Elefantenhütern, geritten.

Ein Tag im Green Valley Elephant Camp

Gegen 8.30 Uhr sind wir in Kalaw gestartet und nun sitzen wir auf einer großen Terrasse, mitten im Grünen, irgendwo in den Bergen. Neben einem leckeren Begrüßungsdrink und wiederverwendbaren Wasserflaschen bekommen wir jede Menge Infos zum Camp, dem Tagesablauf und den Elefanten. Jeder Elefant, so erfahren wir, hat seinen eigenen Mahut (oder, wie sie in Mynamar genannt werden: Oozie). Die Mahuts oder Oozies sind teilweise bereits mit ihren Elefanten ins Camp gekommen und wohnen nun mit ihren Familien und den Elefanten hier auf dem Gelände. Acht Elefanten und acht Mahutfamilien sind somit ständige Bewohner des Camps. Hinzu kommen pro Tag bis zu zehn Besucher.

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“Meet & Feed” mit Elefanten

Und dann geht es zu den Elefanten. Vier von ihnen warten auf uns und wollen gefüttert werden. Natürlich sind diese Elefanten, die teilweise seit über 30 Jahren im Besitz ihrer Mahuts sind, keine Wildtiere. Sie wissen genau, dass sie von den kleinen Lebewesen, die da auf sie zugelaufen kommen, gleich etwas zu Essen bekommen und sind sehr zutraulich. Und so verschwindet auch unsere anfängliche Zurückhaltung schnell. Was positiv auffällt: Sie sind lediglich mit einem Seil pro Elefant an den Holzpavillon, unter dem sie zum Schutz gegen die Sonne stehen, festgebunden. Ketten oder ähnliches gibt es hier nicht. Und auch sonst wirken die Elefanten, die größtenteils schon echte Rentner sind (teilweise über 60 Jahre alt!), sehr entspannt, während wir sie mit Kürbissen, Banenstauden und einer Art Haferschleim füttern.

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Badezeit – Mit Elefanten im Fluss baden

Nach dem Füttern geht es zum Elefanten baden. Zu viert putzen wir im knietiefen Wasser an einer Elefantendame herum, der sich mit dem Hintern zuerst ins Wasser plumpsen lässt. Es scheint ihr zu gefallen. Nach einiger Zeit beschließt sie selbstständig, dass sie für heute genug gebadet hat und verlässt das Wasser. Vielleicht war ihr auch einfach nur kalt. Meine Füße, die immer noch im 10 Grad kalten Quellwasser stehen, fühlen sich jedenfalls ein wenig taub an. Und so auch ich froh, dass es zum nächsten Programmpunkt geht.

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Mittagessen und Elefantenkunde

Das Mittagessen für die Menschen ist etwas abwechslungsreicher, als das Futter für die Elefanten. Es gibt ein drei Gänge Menu aus verschiedenen Curries, die ein wenig wie Tapas angerichtet werden. Tatsächlich eines der besten Gerichte aus der Landesküche, die ich bisher probiert habe.

Green Valley Hill Elephant Camp kalaw

Am Nachmittag  dürfen wir noch einmal die Elefanten füttern, dann gibts noch mehr Infos zum Camp. Unter anderem bekommen wir Einblick in die Hütte des Tierarztes, der im 2-Wochen-Takt im Camp vor Ort ist und dürfen alles genau anschauen. Auch wenn die Elefanten keine Zirkustricks können müssen: Den ein oder anderen Trick können sie dann doch. Denn die Füße und die Zähne zeigen hilft bei ihren regelmäßigen Tierarztbesuchen ungemein.

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Dann neigt sich der Tag für die Elefanten dem Ende zu. Gegen 15 Uhr werden sie entlassen und machen sich auf den Weg zurück in die Wildnis, wo sie bis zum nächsten Morgen frei herumlaufen dürfen. Wir dürfen noch ein Elefantensklett bestaunen, lernen ein wenig über die Anatomie der Tiere und schauen außerdem (no joke!) dabei zu, wie man aus Elefantenkacke Papier machen kann. Dann verabschieden auch wir uns vom Camp.

Eintrittspreis Green Hill Valley Elephant Camp

Der Besuch im Green Hill Valley Elephant Camp kostet pro Person 100 US Dollar. Inkludiert sind dabei Getränke und ein Mittagessen. Die An- und Abreise kommt noch on top hinzu und kostet euch etwa 35.000 Kyat (ca. 30€). (Die Anfahrt zum Green Hill Valley Elephant Camp dauert von Kalaw etwa eine Stunde und führt durch die Berge.) Der Preis von 100 US Dollar pro Person ist sicherlich kein Schnäppchen. Dafür haben wir unseren Guide und “unsere” Elefanten aber auch nur mit zwei anderen Personen geteilt und haben einen echt authentischen Einblick in das Leben der Elefanten, der Mahuts und ihren Familien bekommen. Da das Geld außerdem zum Wohl der Elefanten und zur Weiterentwicklung des Projekts beiträgt, haben wir es gerne bezahlt.

Weitere Infos zum Green Hill Valley Elephant Camp

Buchen könnt ihr euren Besuch im Green Hill Valley Elephant Camp am besten via Telefon. Wir haben die +959443107278 einen Tag vor unserem geplanten Besuch angerufen und Bescheid gegeben. Unseren Fahrer haben wir auch direkt über das Camp gebucht. Wenn ihr bereits in Kalaw seid, könnt ihr aber auch einfach über euer Hotel buchen. Das Elephant Camp kennt hier jeder. Mehr Infos zum Camp findet ihr außerdem hier

Elefanten in Myanmar – Eine traurige Geschichte

Um die Bedeutung des Green Hill Valley Elephant Camp zu verstehen, ist es hilfreich, die Geschichte der Elefanten in Myanmar zu kennen. Schon immer wurden Elefanten in Myanmar als Arbeitstiere gehalten. Kaum ein anderes Tier (und auch keine Maschine) ist effizienter darin, schwere Baumstämme aus unwegigem Gebiet abzutransportieren. Elefanten haben einen festen Platz in Myanmars Holzwirtschaft –  zumindest hatten sie den. Bis letztes Jahr.

Die Wälder in Myanmar gehören fast ausschließlich dem Staat. Aufgrund eines Abholzungsverbots, das noch mindestens bis 2021 gelten soll, verlieren mehr und mehr Tiere ihren Job. Und das ist ein großes Problem. Denn Elefanten sind sehr wertvolle Tiere – so lange sie arbeiten. Tun sie das nicht werden sie vor allem eines: Zu teuer. Die Mehrzahl der Elefanten ist im Besitz von einzelnen Mahuts. Ein Elefant ernährt meist die ganze Familie. Ohne Arbeit ist ein Elefant für die meisten Mahuts nicht zu halten, da die Kosten für Futter und Unterbringung einfach nicht zu stämmen sind.

Mahuts und ihre Elefanten müssen sich also nach neuen Einkommensquellen umsehen. Abgesehen von dem Einsatz bei religiösen oder staatlichen Festen bleibt der Tourismus. Die Zahl der Elefantencamps in Myanmar steigt. Während die knapp 2.200 Elefanten, die dem Staat gehören mittels verschiedener Auswilderungsprogramme zumindest teilweise wieder in die Freiheit entlassen werden sollen, bleibt für die geschätzten 2.600 Elefanten in Privatbesitz meist nur, den Besitzer zu wechseln. Käufe für die arbeitslosen Elefanten finden sich vor allem hinter der Grenze von Thailand. Dort sind Elefantencamps nach wie vor populär. Außerdem werden Elefanten immer noch aufgrund ihres Elfenbeins und in Myanmar auch aufgrund ihrer Haut, der heilende Wirkungen nachgesagt werden, gekauft und geschlachtet.

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Fazit: Green Valley Elephant Camp und Elefanten in Myanmar

Das Green Valley Elephant Camp wird auf Dauer nicht alleine bleiben. Mit steigenden Touristenzahlen steigt auch die Nachfrage nach Elefantencamps. Einige haben schon eröffnet, andere sind in Planung. Auch der Staat mischt mit und hat das Potential erkannt. Außerdem sind verschiedene Reservate in Planung, in denen die arbeitslosen Elefanten teilweise ausgewildert werden können.

Auch einige der anderen Camps stellen das Wohl der Elefanten in den Mittelpunkt. Geritten werden dürfen oftmals trotzdem was per se für die Elefanten, die harte Arbeit in den Wäldern Myanmars gewohnt sind, auch kein Problem darstellt. Zum Problem wird es, so erfahren wir im Green Valley Elephant Camp, wenn die Elefanten zu viele Touristen tragen müssen, sie mit Hilfe von brutalen Trainingsmethoden gefügig gemacht werden und durch falsche Sättel ihre Rücken leiden.

Auch wenn es sich für uns Europäer vielleicht komisch anhört: Elefanten in Myanmar waren immer, und sind auch heute noch, vor allem Arbeitstiere. Ob Elefanten mit dem Menschen Hand in Hand arbeiten ist daher nicht die Frage. Die Frage, die sich aktuell für die knapp 5.000 arbeitslosen Elefanten und ihre Mahuts stellt, ist das “Wie”.

Das Konzept des Green Valley Elephant Camps bleibt in Myanmar vorerst dennoch einzigartig. Wenn ihr Elefanten hautnah erleben wollt, ist das meiner Meinung nach der richtige Ort. Uns wird der Tag mit den zutraulichen Dickhäutern für immer in Erinnerung bleiben. Für mich war die Begegnung mit den Elefanten neben der Ballonfahrt in Bagan das schönste Erlebnis in Myanmar,

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Weitere Infos zu Myanmar

Myanmar Reisetipps inklusive meiner besten Infos und Empfehlungen findet ihr hier. Einen Überblick über alle Beiträge zu Myanmar findet ihr in der Myanmar Kategorie.

Habt ihr Elefanten bereits “live” gesehen? Welche Erfahrungen habt ihr mit Elefanten Camps gemacht? 

CategoriesAllgemein
Jana Kalea

Jana ist Reise- und Lifestylebloggerin, Fotografin, Online Marketing Expertin und Generalistin. Hin und wieder ist sie in ihrer Wahlheimat Hamburg anzutreffen. Viel lieber ist die geborene Rheinländerin aber unterwegs. Am liebsten da, wo es warm ist. Natürlich immer mit Kamera und Macbook.

  1. Marion says:

    Es ist schon Jahrzehnte her, das ich in Myanmar war. Ich habe dieses Land in schöner Erinnerung. Elefanten kenne ich nur aus Afrika. Und da ist es eher unwahrscheinlich mit ihnen zu baden. Das würde mir auch mal gefallen.

    1. Jana Kalea says:

      Ich bin immer wieder so beeindruckt, wenn ich höre, dass jemand Myanmar schon vor so langer Zeit kennengelernt hat. Auch wenn das Land immer noch als sehr ursprünglich gilt, glaube ich dass es vor zehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahren noch einmal ganz anders war. Da hast du sicherlich einiges zu erzählen.

      In Afrika war ich tatsächlich (bis auf Marokko und Ägypten) noch nie. Afrikanische Elefanten sind ja noch einmal deutlich größer als die Asiatischen. Irgendwann möchte ich die auch unbedingt noch einmal sehen. 🐘🥰

  2. Elefanten sind wunderbare und so sanfte Geschöpfe. Ich bin immer wieder fasziniert von ihrer Anmut.
    Wo ich persönlich Probleme habe ist es, wenn Tiere für Menschen zur Schau gestellt werden, wenn sie als Spaßobjekt und zur Freizeitbeschäftigung herhalten müssen.
    Zuviele solcher Einrichtungen habe ich gesehen, so tue ich mir schwer mit dem Glauben, man würde es wirklich für die Tiere tun.

    Aber gerne lasse ich mich eines Besseren belehren.

    Liebe Grüße, Katja

    1. Jana Kalea says:

      In einigen Camps werden die Elefanten wirklich sehr schlecht behandelt und absolut nicht artgerecht gehalten. Oftmals wird tatsächlich versucht aus einem Tier ohne Rücksicht den größtmöglichen Profil zu schlagen. 🙁

      Und nein, natürlich tut man das auch im Green Valley Hill Elephant Camp nicht ausschließlich für die Elefanten. Die Tiere müssen auch auf irgendeine Art und Weise Geld einbringen und den Lebensunterhalt der Mahuts, ihrer Familien und auch der Campbetreiber sichern – keine Frage! Gerade in einem Land wie Myanmar kann es sich so gut wie niemand leisten, acht Elefanten zum Spaß zu halten. Und ob es ihnen in einem Job in der Holzwirtschaft, als Paradeelefanten oder im Besitz von Elefatenhauthändlern besser geht… Schwierig!

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